Begriffe · Glossar
Taktile Sensorik.Was der Begriff bedeutet.
Taktile Sensorik bezeichnet Sensoren, die einem Roboter einen Tastsinn geben, indem sie Kontakt, Druck, Druckverteilung und teilweise Schlupf an der Oberfläche von Fingern, Händen oder Haut messen. Sie ergänzt Kameras dort, wo der Kontakt verdeckt ist.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Definition
Taktile Sensorik: die Erklärung.
Ein taktiler Sensor misst, was an einer Kontaktfläche passiert. Einfache Sensoren melden nur, ob Kontakt besteht. Taktile Felder messen die Verteilung des Drucks über viele Punkte, ähnlich einem Bild. Die Übersicht von Kappassov, Corrales und Perdereau (2015) beschreibt Tastsinn in Roboterhänden als Grundlage für drei Aufgaben: stabiles Greifen, Erkennen von Objekteigenschaften und Erkennen von Schlupf. Taktile Daten ergänzen damit Kamera und Gelenksensorik.
Es gibt mehrere Messprinzipien. Piezoresistive Sensoren ändern ihren Widerstand unter Druck. Kapazitive Sensoren messen eine Änderung der Kapazität zwischen zwei Elektroden. Piezoelektrische Sensoren reagieren auf schnelle Druckänderungen und eignen sich für Vibration und Schlupf. Optische Sensoren beobachten mit einer kleinen Kamera, wie sich eine weiche Oberfläche verformt. Die Prinzipien unterscheiden sich bei Auflösung, Empfindlichkeit, Robustheit und Kosten. Die Übersicht von Kappassov und Kollegen vergleicht diese Eigenschaften.
Kameras allein reichen beim Greifen oft nicht. Im Moment des Zugriffs verdecken Finger und Teil die Kontaktstelle. Taktile Daten zeigen, ob ein Teil rutscht, ob die Kraft reicht oder ob ein empfindliches Teil zu fest gedrückt wird. Viele lernende Greifverfahren nutzen deshalb Bild und Tastsinn zusammen. Auch das Verformen oder Wegrutschen eines Teils lässt sich so früh erkennen.
Herausforderungen sind Verschleiß der Sensoroberfläche, Verkabelung auf engem Raum und die Kalibrierung. Eine weiche Fingerkuppe, die ständig Metallteile greift, nutzt sich ab. Die Tastsensorik ist außerdem keine Sicherheitsfunktion für den Personenschutz, dafür gibt es eigene Verfahren nach ISO 10218-2:2025. Für Betreiber zählen deshalb Ersatzteilpreise und Tauschzeiten der Sensoroberflächen. Auch die Reinigung kann ein Thema sein, etwa bei Teilen mit Öl oder Staub. Fragen Sie den Hersteller, wie die Sensoren kalibriert werden und ob das im Werk möglich ist.
02 Industrie
Was das für ein großes Werk heißt.
Für ein Werk ist taktile Sensorik vor allem bei empfindlichen, glatten oder verformbaren Teilen interessant, etwa Kabeln, Folien oder lackierten Flächen. Fragen Sie nach Lebensdauer und Tauschbarkeit der Sensoroberflächen. In einer Flotte werden Fingerkuppen schnell zu Verbrauchsteilen.
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03 Abgrenzung
Abgrenzung zu verwandten Begriffen.
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Kraft-Momenten-Sensor | Ein Kraft-Momenten-Sensor misst die Gesamtkraft am Handgelenk, ein taktiler Sensor die Verteilung an der Kontaktfläche. |
| Kamera | Eine Kamera sieht aus der Distanz, ein taktiler Sensor fühlt am Kontakt. |
| Kollisionserkennung | Kollisionserkennung zum Personenschutz ist eine Sicherheitsfunktion mit eigenen Anforderungen, taktile Sensorik dient dem Greifen. |
04 Weiter
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05 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Was ist taktile Sensorik bei Robotern?
Taktile Sensorik gibt einem Roboter einen Tastsinn. Sensoren in Fingern oder Händen messen Kontakt, Druck und dessen Verteilung, teils auch Schlupf. So erkennt der Roboter, ob er ein Teil sicher hält, ob es rutscht oder ob er zu fest drückt. Gängige Prinzipien sind piezoresistiv, kapazitiv, piezoelektrisch und optisch.
Haben humanoide Roboter einen Tastsinn?
Viele humanoide Roboter haben Sensoren in den Händen, die Kontakt oder Kraft messen. Umfang und Auflösung unterscheiden sich stark je nach Modell. Manche messen nur Motorstrom und Gelenkmomente, andere haben taktile Felder in den Fingerkuppen. Fragen Sie den Hersteller konkret, was die Hand misst.
Ersetzt taktile Sensorik die Sicherheitsfunktion beim Kontakt mit Menschen?
Nein, taktile Sensorik zum Greifen ersetzt keine Sicherheitsfunktion für den Personenschutz. Für Kontakt zwischen Roboter und Mensch gelten eigene Anforderungen, etwa die Leistungs- und Kraftbegrenzung nach ISO 10218-2:2025. Sicherheitsfunktionen müssen nach ISO 13849-1 mit einem festgelegten Performance Level ausgeführt sein. Das gilt auch für humanoide Roboter.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Kappassov, Corrales, Perdereau (2015): Tactile sensing in dexterous robot hands, Review, Robotics and Autonomous Systems 74
- Billard, Kragic (2019): Trends and challenges in robot manipulation, Science 364(6446)
- ISO 10218-2:2025 Robotics, Safety requirements, Part 2: Industrial robot applications and robot cells
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