Begriffe · Glossar
Roboterhand.Was der Begriff bedeutet.
Eine Roboterhand ist ein mehrfingriger Endeffektor, der Gegenstände ähnlich einer menschlichen Hand greifen, halten und in der Hand umorientieren kann. In der Fachsprache spricht man von geschickter Manipulation, englisch dexterous manipulation.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Definition
Roboterhand: die Erklärung.
Roboterhände sind eine Bauform des Greifers, den ISO 8373:2021 unter 4.13 als Endeffektor zum Ergreifen und Halten definiert. Anders als ein Parallelgreifer mit zwei Backen haben sie mehrere Finger mit eigenen Gelenken. Damit können sie Gegenstände unterschiedlicher Form umfassen, Werkzeuge halten und Teile in der Hand drehen, ohne sie abzulegen. Manche Hände sind über Sehnen angetrieben, deren Motoren im Unterarm sitzen. Andere haben kleine Motoren direkt in den Fingern.
Billard und Kragic beschreiben in ihrem Überblick in Science (2019) die geschickte Manipulation als eines der schwierigsten Felder der Robotik. Die Hand muss Kontaktkräfte an mehreren Fingern gleichzeitig regeln, oft ohne die Kontaktstellen direkt zu sehen. Gelernte Verfahren wie Imitation Learning haben hier in den letzten Jahren Fortschritte gebracht, vor allem bei Aufgaben, die sich gut vorführen lassen.
Für sicheres Greifen braucht die Hand Rückmeldung. Taktile Sensoren in Fingerkuppen und Handfläche messen Druck und Kontakt. Kappassov und Kollegen (2015) zeigen in ihrer Übersicht, dass Tastsinn für Greifstabilität, Schlupferkennung und die Erkennung von Objekteigenschaften wichtig ist. Viele Hände messen zusätzlich Gelenkstellung und Motorstrom.
Die Kehrseite: Mehr Finger bedeuten mehr Antriebe, Sehnen oder Getriebe auf kleinem Raum. Das macht Hände empfindlich gegen Stöße, Staub und Kühlschmierstoff. Für viele Industrieaufgaben mit gleichbleibenden Teilen ist ein einfacher Greifer robuster, schneller und günstiger. Ein Mittelweg sind Greifer mit zwei oder drei Fingern, die einfacher gebaut sind, aber mehr Griffarten erlauben als eine Backe. Viele Hersteller bieten zudem tauschbare Fingerkuppen oder Greifbacken an, die sich an Teile anpassen lassen. Für Werke mit vielen Varianten kann ein Werkzeugwechsel zwischen Hand und Spezialgreifer die bessere Lösung sein.
02 Industrie
Was das für ein großes Werk heißt.
Für ein Werk lohnt eine mehrfingrige Hand vor allem, wenn viele verschiedene Teile oder Werkzeuge gegriffen werden müssen. Bei einem einzigen Teiletyp ist ein angepasster Greifer meist die bessere Wahl. Fragen Sie nach Haltekraft je Hand, Schutzart und Tauschzeit, denn Hände gehören zu den verschleißanfälligen Baugruppen.
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03 Abgrenzung
Abgrenzung zu verwandten Begriffen.
| Begriff | Unterschied |
|---|---|
| Parallelgreifer | Ein Parallelgreifer hat zwei gegenüberliegende Backen und ist robust, kann Teile aber nicht in der Hand umorientieren. |
| Sauggreifer | Ein Sauggreifer hält Teile per Unterdruck und braucht glatte, dichte Flächen. |
| Taktile Sensorik | Taktile Sensorik ist die Tastsensorik in der Hand, nicht die Hand selbst. |
04 Weiter
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05 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Wie gut können Roboterhände greifen?
Moderne Roboterhände können viele Alltagsgegenstände greifen und einfache Werkzeuge halten. Geschickte Manipulation, also das Umorientieren von Teilen in der Hand, gilt in der Forschung aber weiter als schwierig. Für Industrieaufgaben sind Haltekraft, Wiederholgenauigkeit und Robustheit wichtiger als die Zahl der Finger. Diese Werte sollten am echten Teil getestet werden.
Brauchen humanoide Roboter fünf Finger?
Humanoide Roboter brauchen nicht zwingend fünf Finger. Manche Modelle nutzen Hände mit fünf Fingern, andere Greifer mit zwei oder drei Fingern. Fünf Finger erlauben vielseitigere Griffe, bringen aber mehr Antriebe und mehr Verschleiß. Welche Hand passt, hängt von den Teilen und Werkzeugen im Werk ab.
Wie viel Last trägt eine Roboterhand?
Die Last einer Roboterhand gibt der Hersteller im Datenblatt an, oft getrennt nach Haltekraft der Hand und Traglast des Arms. Die Werte unterscheiden sich je nach Modell stark. Für die Planung zählt die Traglast bei ausgestrecktem Arm und im Dauerbetrieb, nicht der Spitzenwert.
Quellen · Stand Oktober 2026
- ISO 8373:2021 Robotics, Vocabulary (u. a. 3.1, 3.2, 4.1, 4.12, 4.15, 4.15.5)
- Billard, Kragic (2019): Trends and challenges in robot manipulation, Science 364(6446)
- Kappassov, Corrales, Perdereau (2015): Tactile sensing in dexterous robot hands, Review, Robotics and Autonomous Systems 74
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