Einsatz · Kitting und Sequenzierung
Kitting mit Humanoiden.Der richtige Teilesatz zur richtigen Zeit.
Beim Kitting mit humanoiden Robotern stellt der Roboter für einen Montageauftrag alle benötigten Teile in einem Warenkorb zusammen und bringt ihn an die Linie. Der Automobilbau nutzt Kitting, um Teilevielfalt von der Linie fernzuhalten. Laut Apptronik gehört das Anliefern von Montagekits und die Prüfung der Teile zu den ersten Aufgaben seines Humanoiden Apollo bei Mercedes-Benz. Hyundai plant laut eigener Mitteilung, den Atlas von Boston Dynamics ab 2028 für die Teilesequenzierung im Metaplant in Georgia einzusetzen. Für große Mengen gleicher Kits sind feste Pickzellen mit mobilen Robotern oft schneller.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Ablauf
So läuft Kitting mit einem humanoiden Roboter.
Auftrag und Kitliste
Aus dem Montageplan entsteht pro Fahrzeug oder Baugruppe eine Kitliste. Sie nennt Teile, Varianten und die Reihenfolge im Warenkorb.
Teile im Supermarkt greifen
Der Roboter geht durch den Supermarkt neben der Linie und greift die Teile aus Behältern oder Regalfächern. Varianten erkennt er über Etikett, Form oder Farbe.
Kit prüfen
Vor dem Abschluss prüft der Roboter per Kamera, ob alle Teile im Warenkorb liegen. Fehlende oder falsche Teile meldet er sofort.
An die Linie bringen
Der Warenkorb wird an der Linie bereitgestellt, entweder durch den Humanoiden selbst oder durch einen mobilen Roboter.
Leergut zurück
Leere Warenkörbe kommen zurück in den Supermarkt. Der Kreislauf beginnt neu.
Ausnahmen klären
Fehlt ein Teil im Supermarkt, meldet der Roboter den Engpass an die Logistik. Ein Mensch füllt nach oder stellt das Kit von Hand fertig, damit die Linie nicht wartet.
02 Anforderungen
Anforderungen beim Kitting: Greifen, Erkennen, Takt.
| Merkmal | Bedarf beim Kitting | Hinweis |
|---|---|---|
| Traglast | Einzelteile meist leicht, Warenkorb kann schwer sein | Für den Korb Dauerlast mit beiden Armen prüfen |
| Greifen | Viele unterschiedliche Teile, Schrauben bis Kabelbäume | Mehrfingerhände helfen bei Vielfalt; Kleinteile bleiben schwierig |
| Erkennung | Varianten, die sich kaum unterscheiden | Barcode oder Etikett ist sicherer als reine Bilderkennung |
| Takt | Muss zur Linie passen, oft im Minutentakt pro Fahrzeug | Pufferbestand an Kits vorsehen |
| Fehlerquote | Ein falsches Teil stoppt im schlimmsten Fall die Montage | Prüfschritt vor Freigabe des Kits einplanen |
| Integration | Anbindung an Abrufsystem und MES | Schnittstellen beim Hersteller erfragen |
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03 Abgrenzung
Humanoide beim Kitting: wann ja, wann lieber nicht.
Kitting ist eine typische Pilotaufgabe für Humanoide, weil der Supermarkt neben der Linie für Menschen gebaut ist. Regale, Behälter und Wagen bleiben, wie sie sind. Die Aufgabe ist fehlertolerant, wenn ein Prüfschritt und ein Puffer vorgesehen sind.
Für große Stückzahlen mit wenigen Varianten gibt es bewährte Alternativen. Mobile Roboter bringen Behälter an eine feste Pickzelle, ein Industrieroboter mit Bildverarbeitung greift dort die Teile, und ein zweiter mobiler Roboter fährt den fertigen Warenkorb zur Linie. Diese Kette ist schneller als ein einzelner Humanoide und lässt sich gut skalieren.
Der Humanoide passt eher dort, wo viele Varianten, wechselnde Regale und kleine Mengen zusammenkommen. Dort würde eine feste Zelle oft umgebaut werden müssen. Ein ehrlicher Pilot vergleicht beide Wege mit denselben Kennzahlen.
Wichtig für die Bewertung ist auch die Frage, wer den Supermarkt künftig befüllt. Übernimmt der Roboter nur das Greifen, bleibt der Nachschub beim Menschen oder bei Routenzügen. Kann er auch Behälter nachfüllen und Leergut abräumen, steigt seine Auslastung. Planen Sie beide Aufgaben getrennt und messen Sie sie getrennt, damit am Ende klar ist, welcher Teil sich rechnet.
04 Kennzahlen
Pilot-Kennzahlen für Kitting und Sequenzierung.
- Kits pro Stunde: fertige, geprüfte Warenkörbe pro Stunde, verglichen mit dem Linienbedarf.
- Kitqualität: fehlende oder falsche Teile pro 1.000 Kits. Diese Zahl ist für die Montage wichtiger als die Geschwindigkeit.
- Variantenabdeckung: Anteil der Teilenummern, die der Roboter sicher greifen kann.
- Linienstörungen: Fälle, in denen die Montage wegen eines Kits warten musste.
- Eingriffe: manuelle Korrekturen pro Schicht.
- Wegezeit: Anteil der Zeit, die der Roboter im Supermarkt unterwegs ist.
05 Sicherheit
Sicherheit im Supermarkt neben der Montagelinie.
Der Supermarkt ist ein Bereich mit viel Verkehr: Routenzüge, Werker und Logistiker sind gleichzeitig unterwegs. In der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz gehören Verkehrswege, Begegnungen in engen Gängen und das Verhalten des Roboters bei Personen in der Nähe nach vorne. Der Roboter sollte seine Geschwindigkeit absenken, wenn Menschen in den Arbeitsbereich kommen.
Arbeitet der Humanoide direkt an der Linie neben Werkern, gelten zusätzlich die Grundsätze der Mensch-Roboter-Kollaboration. Die Technische Spezifikation ISO/TS 15066 nennt dafür Grenzwerte für Kräfte und Drücke bei Kontakt. Ob ein Humanoide diese Werte einhält, muss für die konkrete Anwendung nachgewiesen werden. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
PhoenixOne sucht als Vermittler über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai Roboter, die zu Ihrer Teilevielfalt passen. Wir fordern dazu Angaben zu Händen, Erkennung und Schnittstellen an, bevor ein Kitting-Pilot startet.
06 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Was ist Kitting in der Montage?
Kitting bedeutet, alle Teile für einen Montageauftrag vorab in einem Warenkorb zusammenzustellen und gesammelt an die Linie zu bringen. So muss der Werker an der Linie nicht aus vielen Behältern greifen. Im Automobilbau ist Kitting verbreitet, weil die Variantenvielfalt hoch ist und Platz an der Linie knapp.
Können humanoide Roboter Kitting übernehmen?
Ja, Kitting gehört zu den ersten Pilotaufgaben für Humanoide. Laut Apptronik bringt dessen Humanoide Apollo bei Mercedes-Benz Montagekits an die Linie und prüft dabei die Teile. Entscheidend sind Greifquote bei vielen Varianten, Fehlerquote und ein Takt, der zum Linienbedarf passt.
Was ist der Unterschied zwischen Kitting und Sequenzierung?
Beim Kitting werden verschiedene Teile für einen Auftrag in einem Korb gesammelt. Bei der Sequenzierung werden gleichartige Teile in der Reihenfolge der Fahrzeuge an die Linie gebracht. Hyundai plant laut eigener Mitteilung, den Atlas von Boston Dynamics ab 2028 für die Teilesequenzierung einzusetzen.
Ist eine Pickzelle mit mobilen Robotern besser als ein Humanoide?
Bei hohen Stückzahlen und wenigen Varianten oft ja. Eine feste Pickzelle mit Industrieroboter und mobilen Robotern für den Transport ist schnell und gut skalierbar. Der Humanoide passt eher, wenn viele Varianten, wechselnde Regale und kleine Mengen zusammenkommen und ein Umbau vermieden werden soll.
Wie verhindert man falsche Teile im Kit?
Durch einen Prüfschritt vor der Freigabe des Kits. Der Roboter vergleicht den Inhalt per Kamera oder Barcode mit der Kitliste. Etiketten und Barcodes sind sicherer als reine Bilderkennung bei ähnlichen Varianten. Ein Puffer an der Linie verhindert, dass ein fehlerhaftes Kit die Montage stoppt.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Apptronik: Apptronik and Mercedes-Benz Enter Commercial Agreement (15.03.2024)
- Hyundai Motor Group: AI Robotics Strategy, CES 2026
- ISO/TS 15066:2016, Collaborative robots
- Arbeitsschutzgesetz § 5
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
07 Weiter
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