Branche · Automobilhersteller
Humanoide Roboter bei Automobilherstellern.Wo sie im Werk heute passen.
Humanoide Roboter bei Automobilherstellern eignen sich Stand Oktober 2026 für eng umrissene Pilotaufgaben: Teile in Vorrichtungen einlegen, Behälter an die Linie bringen, Kits zusammenstellen. Für Schweißen, Lackieren und schwere Karosseriemontage bleiben klassische Industrieroboter die bessere Wahl. In Deutschland arbeiteten laut Destatis Ende September 2025 rund 452.800 Menschen in 109 Betrieben der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren (WZ 29.1, Betriebe ab 20 tätigen Personen). Die bekanntesten Humanoiden-Piloten weltweit laufen in Autowerken. Große Flotten im Serienbetrieb gibt es noch nicht.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Aufgaben
Humanoide Roboter in der Autoproduktion: Was passt und was nicht?
| Aufgabe im Werk | Eignung Stand 2026 | Begründung |
|---|---|---|
| Blechteile in Vorrichtungen einlegen | Gut für einen Piloten | Wiederkehrender Ablauf an einer Station, die für Menschen gebaut ist. Ein Humanoide braucht keinen Umbau der Vorrichtung. |
| Kitting und Sequenzierung im Supermarkt | Gut für einen Piloten | Wechselnde Teile, kurze Wege, leichte Behälter. Die Dauertraglast des Roboters muss zum schwersten Teil passen. |
| Behälter vom Routenzug an die Linie | Eingeschränkt | Machbar, wenn die Wege frei sind. Fahrerlose Transportfahrzeuge erledigen reinen Transport oft günstiger. |
| Stecker und Clips in der Endmontage | Offen | Feinmotorik und Kraftregelung im Takt sind in der Praxis noch kaum belegt. Fehler fallen erst spät auf. |
| Punktschweißen im Rohbau | Ungeeignet | Schweißroboter in abgesicherten Zellen arbeiten schneller und genauer. Ein Humanoide bringt hier keinen Vorteil. |
| Lackiererei | Ungeeignet | Explosionsschutz und Oberflächenqualität sprechen klar für etablierte Lackierroboter. |
| Kontrollgang in Energiezentrale und Medienkanälen | Vierbeiner prüfen | Treppen, Gitterroste und Außenbereiche liegen Laufrobotern mit Wärmebild und Gasmessung besser als Humanoiden. |
02 Anforderungen
Was ein Autowerk von einem Humanoiden verlangt.
Ein Automobilwerk läuft im Takt. Jede Station hat eine feste Zeit, und ein Roboter, der sie überschreitet, bremst das ganze Band. Planen Sie deshalb eine Station mit Puffer, an der ein langsamerer Zyklus im Piloten keinen Stillstand auslöst. Erst wenn die Taktzeit stabil ist, gehört der Roboter an eine Station ohne Puffer.
Die meisten Werke fahren zwei oder drei Schichten. Ein Humanoide muss also laden, ohne dass die Station leer steht. Laut UBTech wechselt der Walker S2 seinen Akku in drei Minuten selbst. Andere Hersteller setzen auf Ladepausen. Für den Business Case zählt die Verfügbarkeit über alle Schichten, nicht die Laufzeit einer einzelnen Akkuladung.
Dazu kommt der Verkehr in der Halle. Routenzüge, Stapler und Werker teilen sich die Wege. Der Roboter braucht klare Fahr- und Gehbereiche, eine Freigabe der IT/OT-Security für Funknetz und Fernwartung und eine Anbindung an die Leitsysteme, damit Störungen im Andon-System sichtbar werden. Im Konzern entscheidet am Ende ein Gremium aus Produktion, Planung, Arbeitssicherheit, Einkauf und Betriebsrat.
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03 Vorschriften
Vorschriften für Roboter im Automobilwerk.
| Vorschrift | Fundstelle | Bedeutung für den Einsatz |
|---|---|---|
| Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 | Art. 54 | Gilt ab dem 20. Januar 2027 für neu in Verkehr gebrachte Maschinen, also auch für Humanoide. |
| Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) | § 3 | Der Betreiber beurteilt die Gefährdungen, bevor der Roboter als Arbeitsmittel verwendet wird. |
| Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) | § 5 | Gefährdungsbeurteilung für die Arbeitsplätze, an denen Mensch und Roboter zusammentreffen. |
| ISO 10218-1 und ISO 10218-2 | Ausgabe 2025 | Sicherheitsanforderungen an Industrieroboter und Roboteranwendungen. Für Gehen und Balance eines Humanoiden gibt es darin keine Regeln. |
| IATF 16949:2016 | Abschnitt 8.5.6.1 | Prozessänderungen in der Serienfertigung sind zu bewerten und freizugeben, bevor sie umgesetzt werden. |
| Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) | § 87 Abs. 1 Nr. 6, § 90 | Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen mit Überwachungseignung, Unterrichtung schon in der Planung. |
04 Piloten
Belegte Piloten bei Autoherstellern weltweit.
Die Automobilindustrie ist die Branche mit den meisten öffentlich berichteten Humanoiden-Tests. Laut Figure AI lief der Figure 02 im BMW-Werk Spartanburg elf Monate an einer Blechstation. Laut The Robot Report hat BMW im März 2026 einen Piloten mit dem radbasierten AEON von Hexagon im Werk Leipzig angekündigt. Apptronik und Mercedes-Benz haben laut Apptronik im März 2024 eine Vereinbarung über den Apollo in der Fertigung geschlossen.
In China nennt UBTech BYD, Geely, FAW-Volkswagen und Dongfeng Liuzhou als Partner der Walker-S2-Auslieferung ab November 2025. Laut Interesting Engineering trainierte Kepler seinen K2 im Werk von SAIC-GM in Shanghai. Dongfeng will laut CnEVPost eigene Humanoide ab Oktober 2026 für Sortieraufgaben und Qualitätsprüfung einsetzen, das ist bisher eine Ankündigung. Hyundai plant laut Konzernmitteilung den Atlas ab 2028 im Metaplant in Georgia.
Fast alle diese Angaben stammen von Herstellern oder aus Medien. Stückzahlen und Kennzahlen fehlen meist. Für eine Konzernentscheidung ersetzt keine Pressemeldung den eigenen Test im eigenen Werk.
Zur Größe der Branche: Die Automobilindustrie insgesamt hatte laut Destatis Ende des dritten Quartals 2025 rund 721.400 Beschäftigte in Betrieben ab 50 Personen, 6,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Druck auf Kosten und Personal ist damit hoch, die Investitionsbereitschaft aber auch begrenzt.
05 Vorgehen
So starten OEM-Werke mit einem Humanoiden.
Station mit Puffer auswählen
Eine Aufgabe, die es in mehreren Werken des Konzerns gibt, zum Beispiel Einlegen oder Kitting. Gewicht und Takt der heutigen Lösung messen.
Änderung im Qualitätssystem anmelden
Die Prozessänderung nach IATF 16949 bewerten lassen, damit der Pilot die Serienfreigabe nicht gefährdet.
Roboter passend zur Aufgabe suchen
PhoenixOne sucht über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai Modelle, deren veröffentlichte Traglast, Laufzeit und Bauform zur Station passen, und holt die Unterlagen vorab ein.
Freigaben einholen
Gefährdungsbeurteilung, Netzfreigabe und Beteiligung des Betriebsrats vor dem ersten Einsatz abschließen.
Messen und entscheiden
Taktzeit, Eingriffe pro Schicht und Verfügbarkeit gegen vorher festgelegte Ziele legen. Danach entscheidet der Konzern über weitere Stationen.
06 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Werden humanoide Roboter schon in Autowerken eingesetzt?
Ja, aber fast nur in Piloten. Öffentlich berichtet sind Tests bei BMW in Spartanburg und Leipzig, bei Mercedes-Benz und bei mehreren chinesischen Herstellern wie BYD und Geely. Stückzahlen nennen die Unternehmen selten. Serienbetrieb mit Flotten gibt es Stand Oktober 2026 noch nicht, Hyundai plant einen breiteren Einsatz ab 2028.
Kann ein humanoider Roboter am Fließband schweißen?
Für das Punktschweißen im Karosseriebau ist ein Humanoide nicht sinnvoll. Klassische Schweißroboter in abgesicherten Zellen arbeiten schneller, genauer und sind seit Jahrzehnten erprobt. Humanoide eignen sich eher für Handhabung an Stationen, die für Menschen gebaut sind, etwa Einlegen oder Kitting.
Welche Taktzeit schafft ein Humanoide im Automobilbau?
Das hängt von Aufgabe und Modell ab. Ein öffentlich belegter Wert stammt von Figure AI: Im BMW-Werk Spartanburg lag die Zieltaktzeit bei 84 Sekunden pro Zyklus an einer Blechstation. Für Ihr Werk sollten Sie die Taktzeit im eigenen Piloten messen, zuerst an einer Station mit Puffer.
Was muss ein Autohersteller vor dem ersten Humanoiden klären?
Wichtig sind die Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung, die Netzfreigabe durch die IT/OT-Security, die Beteiligung des Betriebsrats und die Bewertung der Prozessänderung im Qualitätssystem nach IATF 16949. Dazu kommen Konformitätsunterlagen des Herstellers. Ab dem 20. Januar 2027 gilt für neue Roboter die Maschinenverordnung.
Wie viele Menschen arbeiten bei Autoherstellern in Deutschland?
Laut Destatis arbeiteten Ende September 2025 rund 452.800 Personen in 109 Betrieben der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren. Gezählt sind Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen. Zulieferer für Teile und Zubehör sind darin nicht enthalten, sie kommen auf weitere rund 240.900 Beschäftigte.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Destatis, GENESIS-Online 42271-0002: Beschäftigte und Umsatz der Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe, WZ 2008 2-/3-/4-Steller, Jahresbericht 2025 (WZ 29.1 und 29.3)
- Destatis, Pressemitteilung N067 vom 20.11.2025: Stellenabbau in der Automobilindustrie
- Figure AI: F.02 Contributed to the Production of 30,000 Cars at BMW (19.11.2025)
- The Robot Report: BMW piloting Hexagon's wheeled humanoid in Germany
- Apptronik: Apptronik and Mercedes-Benz Enter Commercial Agreement (15.03.2024)
- Humanoids Daily: UBTech meldet Massenauslieferung des Walker S2 (November 2025)
- Interesting Engineering: Kepler debuts K2 humanoid robot
- CnEVPost (20.09.2026): Dongfeng to trial-produce humanoid robots by year-end
- Hyundai Motor Group: AI Robotics Strategy, CES 2026
- UBTECH Robotics: Walker S2, Produktseite
- Verordnung (EU) 2023/1230 (Maschinenverordnung), Art. 54
- Betriebssicherheitsverordnung § 3
- Arbeitsschutzgesetz § 5
- ISO 10218-1:2025
- IATF 16949:2016, International Automotive Task Force
- Betriebsverfassungsgesetz § 87
- Betriebsverfassungsgesetz § 90
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
07 Weiter
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