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Integration · Pilotprojekt

Humanoiden-Pilotprojekt in 90 Tagen.Vom Pilotwerk zur Rollout-Entscheidung.

Ein Humanoiden-Pilotprojekt prüft in einem Pilotwerk eine einzige, klar abgegrenzte Aufgabe und endet nach rund 90 Tagen mit einer Go/No-Go-Entscheidung für den Rollout. Vorher legen Sie fest, was gemessen wird: Taktzeit, Erfolgsquote pro Schicht, menschliche Eingriffe und Verfügbarkeit. Humanoide Roboter sind 2026 in der Industrie überwiegend in Pilotprojekten unterwegs. BMW etwa ließ den Figure 02 in Spartanburg elf Monate mit einer Zieltaktzeit von 84 Sekunden laufen. Der Pilot beantwortet zwei Fragen: Hält der Roboter die Kennzahlen in diesem Werk? Und lässt sich das Ergebnis auf weitere Werke übertragen?

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Eine Roboterhand aus Glas greift ein Werkstück auf einem silbernen Förderband, Kupferlinie verbindet zu einem Leitstand
Integration heißt: Roboter, Station, Leitsystem und Menschen zusammenbringen.

01  Lage 2026

Wo stehen Humanoide in der Großindustrie heute?

Humanoide Roboter arbeiten im Oktober 2026 in der Industrie überwiegend in Pilotprojekten. Serienbetrieb mit großen Flotten ist noch die Ausnahme. Das ist kein Grund, abzuwarten. Es ist ein Grund, den Piloten ehrlich und messbar aufzusetzen, damit der Konzern später auf einer sauberen Datenbasis entscheidet.

Die bekanntesten Beispiele kommen aus dem Automobilbau. BMW testete den Figure 02 im Werk Spartanburg im Jahr 2024 zunächst einige Wochen. Danach folgte ein Einsatz über elf Monate: Der Roboter legte laut Hersteller mehr als 90.000 Blechteile ein und lief über 1.250 Stunden in Zehn-Stunden-Schichten, montags bis freitags. Als größte Schwachstelle der Hardware nannte der Hersteller den Unterarm.

Mercedes-Benz hat im März 2024 mit Apptronik vereinbart, den Apollo in der Fertigung zu erproben. Laut Apptronik sind die Aufgaben bewusst einfach: Montagekits an die Linie bringen, die Teile dabei prüfen und Behälter liefern. Laut Medienberichten läuft der Test in einem Werk in Ungarn. BMW hat im März 2026 zudem einen Piloten mit dem AEON von Hexagon im Werk Leipzig angekündigt, in der Hochvoltbatterie-Montage und der Komponentenfertigung. Hyundai plant Atlas von Boston Dynamics ab 2028 im Metaplant in Georgia für die Teilesequenzierung.

Das Muster ist überall gleich: ein Pilotwerk, eine Aufgabe, feste Kennzahlen und ein Zeitraum, der lang genug ist, um auch Ausfälle zu sehen. Erst danach folgen weitere Stationen und Werke.

02  Use Case

Use-Case-Auswahl: Welche Aufgabe trägt den Piloten?

  • Wiederkehrend und zählbar: Die Aufgabe kommt viele Male pro Schicht vor. Nur dann liefern 90 Tage genug Messwerte für eine Konzernentscheidung.
  • In mehreren Werken vorhanden: Wählen Sie eine Aufgabe, die es in ähnlicher Form auch an anderen Standorten gibt. Ein Pilot, der nur in einem Werk passt, rechtfertigt selten einen Rollout.
  • Realistische Traglast: Viele Humanoide tragen dauerhaft deutlich weniger als ihre Spitzenlast. Der AEON von Hexagon ist mit 15 kg kurzzeitig und 8 kg dauerhaft angegeben. Planen Sie mit der Dauerlast.
  • Menschengerechte Umgebung: Der Vorteil eines Humanoiden liegt dort, wo Regale, Wagen und Vorrichtungen für Menschen gebaut sind und nicht umgebaut werden sollen.
  • Fehlertolerant: Ein Fehlgriff darf im Piloten keinen Bandstillstand auslösen. Wählen Sie eine Station mit Puffer.
  • Ehrlicher Gegencheck: Findet die Aufgabe an einem festen Ort statt und ändert sich nie, ist ein klassischer Industrieroboter oder ein Cobot oft günstiger und schneller. Ein Humanoide lohnt sich eher, wenn er mehrere Stationen bedienen soll.

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03  Ablauf

Der 90-Tage-Plan für Ihr Humanoiden-Pilotprojekt.

  1. Woche 1 bis 2: Ziel, Station und Gremium

    Eine Aufgabe, eine Station, ein Projektleiter im Werk. Lenkungskreis mit Werksleitung, Produktion, EHS, IT/OT-Security, Einkauf und Betriebsrat einrichten. Ist-Werte der heutigen Lösung aufnehmen: Taktzeit, Fehlerquote, Wegezeiten.

  2. Woche 3 bis 4: Freigaben und Risikobeurteilung

    Gefährdungsbeurteilung für den Testbereich, Not-Halt und Absperrung klären. Netzfreigabe durch die IT/OT-Security einholen. Betriebsrat beteiligen. Herstellerunterlagen wie Betriebsanleitung und Konformitätserklärung prüfen.

  3. Woche 5 bis 6: Aufbau und Einlernen

    Roboter aufstellen, Ladeplatz einrichten, Funknetz prüfen, Aufgabe einlernen. Viele Hersteller nutzen dafür Teleoperation oder Vorführen. Rechnen Sie hier mit Nacharbeit.

  4. Woche 7 bis 10: Messbetrieb

    Der Roboter arbeitet im echten Takt, zunächst in einer Schicht, dann wenn möglich in zwei. Jede Störung wird protokolliert: Ursache, Dauer, wer eingegriffen hat.

  5. Woche 11 bis 12: Auswertung und Abnahme

    Kennzahlen gegen die vorher festgelegten Ziele legen. Abnahmeprotokoll erstellen, offene Punkte mit dem Hersteller klären, Übertragbarkeit auf weitere Werke bewerten.

  6. Woche 13: Go/No-Go

    Entscheidung im Lenkungskreis: Rollout vorbereiten, nachbessern oder beenden. Alle drei Ergebnisse sind ein gültiger Abschluss.

04  Kennzahlen

Erfolgskriterien messbar festlegen.

KennzahlWie messenOrientierung aus der Praxis
TaktzeitZeit pro Zyklus, Mittelwert und Streuung je SchichtBMW/Figure: Ziel 84 Sekunden pro Zyklus, davon 37 Sekunden Einlegen
ErfolgsquoteKorrekt erledigte Zyklen geteilt durch alle ZyklenBMW/Figure: über 99 % Platziergenauigkeit pro Schicht
EingriffeManuelle Hilfen oder Neustarts pro SchichtBMW/Figure: Ziel null Eingriffe pro Schicht
VerfügbarkeitEinsatzbereite Zeit geteilt durch geplante Zeit, Laden eingerechnetEigenes Ziel festlegen
SicherheitBeinaheunfälle, Stürze, Not-Halt-AuslösungenZiel: keine Personengefährdung
ÜbertragbarkeitAnzahl gleichartiger Stationen in anderen WerkenGrundlage für den Business Case des Rollouts

05  Go/No-Go

Abnahme und Go/No-Go: So entscheidet der Konzern sauber.

Die Abnahme eines Humanoiden-Pilotprojekts prüft, ob die vorher vereinbarten Kennzahlen im Messbetrieb erreicht wurden. Schreiben Sie diese Ziele vor Projektstart in die Pilotvereinbarung mit dem Hersteller. Sonst diskutieren Sie am Ende über Eindrücke statt Zahlen.

Ein Go bedeutet selten sofort eine Flotte. Meist folgt eine zweite Schicht, eine zweite Station oder ein zweites Werk. Für den Rollout braucht der Konzern zusätzlich eine Freigabe der IT/OT-Security für die Fleet-Software, einen Rahmenvertrag über den Konzerneinkauf und ein Ersatzteil- und Servicekonzept für alle Standorte. Ein No-Go ist kein Scheitern. Es zeigt, dass die Aufgabe heute mit anderer Technik besser gelöst wird.

Klären Sie vor dem Go auch die Rechtsseite. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027 und ersetzt dann die Maschinenrichtlinie. Wer nach dem Piloten skaliert, sollte prüfen, ob der Hersteller die neuen Anforderungen bereits abdeckt. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Bei der Suche nach dem passenden Gerät für den Piloten hilft PhoenixOne als Vermittler: Wir suchen über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai den Roboter, der zu Ihrer Aufgabe passt, und fordern technische Daten, Betriebsanleitung und Konformitätsunterlagen vorab an. So prüfen Ihre Fachabteilungen vor dem Start, ob die Angaben zur Station passen.

06  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Wie lange dauert ein Pilotprojekt mit einem humanoiden Roboter?

Für eine einzelne Aufgabe sind rund 90 Tage ein sinnvoller Rahmen: vier Wochen Vorbereitung und Freigaben, zwei Wochen Aufbau und Einlernen, vier Wochen Messbetrieb und zwei Wochen Auswertung. Große Hersteller testen länger. Der Figure-02-Einsatz bei BMW in Spartanburg lief insgesamt elf Monate.

Welche Kennzahlen gehören in einen Humanoiden-Piloten?

Wichtig sind Taktzeit, Erfolgsquote pro Schicht, Anzahl der menschlichen Eingriffe, Verfügbarkeit inklusive Ladezeiten und sicherheitsrelevante Ereignisse. Für die Konzernentscheidung kommt die Übertragbarkeit auf andere Werke dazu. Legen Sie Zielwerte vor dem Start schriftlich fest und messen Sie die heutige Lösung als Vergleich.

Sind humanoide Roboter 2026 schon im Serienbetrieb?

Überwiegend nicht. Stand Oktober 2026 laufen humanoide Roboter in der Industrie meist in Pilotprojekten, vor allem im Automobilbau. Bekannte Beispiele sind BMW mit Figure in Spartanburg und Hexagon in Leipzig sowie Mercedes-Benz mit Apptronik. Größere Flotten sind angekündigt, etwa bei Hyundai ab 2028.

Welche Aufgabe eignet sich für den ersten Humanoiden-Test?

Gut geeignet ist eine wiederkehrende, leichte Aufgabe in einer für Menschen gebauten Umgebung, die es in mehreren Werken gibt. Beispiele sind Teile aus dem Regal in Behälter umsetzen oder Bleche in eine Vorrichtung einlegen. Die Station sollte Puffer haben. Feste Einzelaufgaben löst oft ein Cobot günstiger.

Wer sollte im Lenkungskreis eines Humanoiden-Piloten sitzen?

Im Lenkungskreis sitzen sinnvollerweise Werksleitung, Produktion, Instandhaltung, EHS beziehungsweise Arbeitssicherheit, IT/OT-Security, Konzerneinkauf und der Betriebsrat. Diese Runde legt die Kennzahlen vor dem Start fest und trifft am Ende die Go/No-Go-Entscheidung. So sind alle Freigaben für einen späteren Rollout früh vorbereitet.

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