Spezial · Explosionsschutz
Vierbeiner im Ex-Bereich.Ohne Zertifikat kein Zutritt.
Ein Vierbeiner im Ex-Bereich darf nur arbeiten, wenn er nach der Richtlinie 2014/34/EU für die Gerätekategorie zugelassen ist, die zur Zone passt. Nach Anhang I Nummer 1.8 der Gefahrstoffverordnung sind in Zone 0 nur Geräte der Kategorie 1 zulässig, in Zone 1 Geräte der Kategorie 1 oder 2, in Zone 2 auch Kategorie 3. Belegt ist eine Zulassung bis Zone 1 zum Beispiel für den Vierbeiner ANYmal X von ANYbotics, nach ATEX und IECEx für Gasgruppe IIB. Für die von uns erfassten chinesischen Industrie-Vierbeiner haben wir in den Herstellerangaben keine Ex-Zulassung gefunden. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Zonen
Zonen und Gerätekategorien auf einen Blick.
| Zone (Gase, Dämpfe, Nebel) | Definition nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.7, sinngemäß | Zulässige Gerätekategorie nach Nr. 1.8 Abs. 3 |
|---|---|---|
| Zone 0 | Explosionsfähige Atmosphäre ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden | Kategorie 1 |
| Zone 1 | Explosionsfähige Atmosphäre kann sich im Normalbetrieb gelegentlich bilden | Kategorie 1 oder 2 |
| Zone 2 | Explosionsfähige Atmosphäre tritt im Normalbetrieb normalerweise nicht auf | Kategorie 1, 2 oder 3 |
| Zone 20, 21, 22 (Staub) | Entsprechende Einteilung für brennbare Stäube | Kategorie 1 (Zone 20), 1 oder 2 (Zone 21), 1, 2 oder 3 (Zone 22) |
02 Rechtsrahmen
Der Rechtsrahmen: Produktrichtlinie und Betreiberpflichten.
Zwei europäische Richtlinien bilden den Rahmen. Die Richtlinie 2014/34/EU, die ATEX-Produktrichtlinie, richtet sich an Hersteller. Sie regelt, welche Anforderungen Geräte für explosionsgefährdete Bereiche erfüllen müssen und wie die Konformität bewertet wird. In Deutschland ist sie durch die Explosionsschutzprodukteverordnung (11. ProdSV) umgesetzt.
Die Richtlinie 1999/92/EG, die ATEX-Betriebsrichtlinie, richtet sich an Arbeitgeber. Sie verlangt die Einteilung in Zonen und ein Explosionsschutzdokument. In Deutschland finden sich diese Pflichten in der Gefahrstoffverordnung. Für Prüfungen von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen gilt die Betriebssicherheitsverordnung.
Für einen Roboter heißt das: Der Hersteller muss die Zulassung liefern, der Betreiber muss prüfen, ob sie zu Zone, Gasgruppe und Temperaturklasse seines Bereichs passt. Ein CE-Zeichen allein sagt nichts über Ex-Schutz aus.
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03 Zertifikat
Das Ex-Zertifikat prüfen: Schritt für Schritt.
Zone aus dem Explosionsschutzdokument
Für jeden Bereich der geplanten Route die Zone ermitteln. Die Route darf keine Zone berühren, für die das Gerät nicht zugelassen ist.
Kategorie und Gerätegruppe
Auf dem Gerät und im Zertifikat steht die Kennzeichnung, etwa Gerätegruppe II, Kategorie 2G für Gase. Sie muss zur Zone passen.
Gasgruppe
IIA, IIB oder IIC. IIC ist die strengste Gruppe und deckt etwa Wasserstoff und Acetylen ab. Ein Gerät für IIB reicht für diese Stoffe nicht.
Temperaturklasse
T1 bis T6 geben die höchste Oberflächentemperatur an. Sie muss unter der Zündtemperatur der Stoffe im Bereich liegen.
Gültigkeit und Umfang
Prüfen, ob das Zertifikat für das gelieferte Modell mit allen Anbauteilen gilt: Akku, Ladestation, Sensoren, Arm. Nachrüstungen können die Zulassung aufheben.
04 Markt
Welche Roboter es heute mit Ex-Zulassung gibt.
ANYbotics stellte ANYmal X im März 2022 als ersten explosionsgeschützten Laufroboter vor, mit Zulassungen nach IECEx und ATEX für Zone 1. Laut aktueller Produktseite gilt die Zulassung bis Zone 1, Gasgruppe IIB, bei Schutzart IP67. Zur Sensorik gehören eine Wärmebildkamera mit einem Messbereich von minus 10 bis plus 400 Grad und optional ein Gassensor.
Daneben gibt es Raupenroboter für Ex-Bereiche, die auf ebenen Flächen arbeiten. Für Humanoide haben wir keine veröffentlichte Ex-Zulassung gefunden. Bei den chinesischen Vierbeinern, die wir erfasst haben, ist in den Herstellerangaben kein Ex-Schutz genannt. Das kann sich ändern. Wir nennen nur Zulassungen, die öffentlich belegt sind.
Für Zone 2 reicht ein Gerät der Kategorie 3. Auch dafür braucht es eine Konformitätsbewertung nach der Richtlinie 2014/34/EU. Ein Industrie-Vierbeiner ohne Kennzeichnung ist auch in Zone 2 nicht zulässig.
05 Betrieb
Betrieb im Ex-Bereich: Laden, Akku, Wartung.
- Ladestation: Die Ladestation ist oft nicht für den Ex-Bereich zugelassen und muss außerhalb der Zone stehen. Planen Sie den Weg dorthin in die Route ein.
- Akku: Lithium-Akkus sind eine mögliche Zündquelle. Der Akku ist Teil der Zulassung. Fremdakkus sind tabu.
- Wartung: Reparaturen an Ex-Geräten dürfen die Zündschutzart nicht verändern. Klären Sie, wer in Europa Wartung und Instandsetzung durchführen darf.
- Anbauteile: Zusätzliche Sensoren oder ein Arm brauchen eine eigene Bewertung oder sind im Zertifikat enthalten.
- Funk: Funkmodule müssen Teil der Zulassung sein. Ein externer Router am Roboter kann die Zulassung aufheben.
06 Vermittlung
Unsere Rolle bei Ex-Anfragen.
PhoenixOne vermittelt über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai. Bei Anfragen für Ex-Bereiche fordern wir zuerst das Zertifikat mit Kennzeichnung, Gasgruppe und Temperaturklasse an. Liegt keines vor, sagen wir das klar und schlagen nur Einsätze außerhalb der Zonen vor. Die Bewertung, ob ein Gerät für Ihren Bereich passt, trifft Ihre Fachabteilung für Explosionsschutz.
07 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Welche Roboter dürfen in ATEX-Zone 1?
Nur Geräte der Kategorie 1 oder 2 mit Zulassung nach der Richtlinie 2014/34/EU. Belegt ist eine Zone-1-Zulassung zum Beispiel für den Vierbeiner ANYmal X von ANYbotics, nach ATEX und IECEx für Gasgruppe IIB. Für Humanoide und die von uns erfassten chinesischen Vierbeiner haben wir keine veröffentlichte Ex-Zulassung gefunden.
Was ist der Unterschied zwischen ATEX 2014/34/EU und 1999/92/EG?
Die Richtlinie 2014/34/EU richtet sich an Hersteller und regelt Anforderungen an Geräte für explosionsgefährdete Bereiche. Die Richtlinie 1999/92/EG richtet sich an Arbeitgeber und verlangt Zoneneinteilung und Explosionsschutzdokument. In Deutschland sind sie über die 11. ProdSV und die Gefahrstoffverordnung umgesetzt. Lassen Sie sich die Kennzeichnung am Gerät zeigen.
Reicht ein CE-Zeichen für den Einsatz im Ex-Bereich?
Nein. Das CE-Zeichen zeigt die Konformität mit allen anwendbaren EU-Vorschriften, sagt aber allein nichts über Ex-Schutz. Für Ex-Bereiche braucht das Gerät eine Konformitätsbewertung nach der Richtlinie 2014/34/EU und eine Ex-Kennzeichnung mit Gerätegruppe, Kategorie und Temperaturklasse. Prüfen Sie Zertifikat und Kennzeichnung.
Was bedeutet Kategorie 2G?
Kategorie 2G bezeichnet Geräte der Gerätegruppe II mit hohem Sicherheitsniveau für Bereiche mit Gasen, Dämpfen oder Nebeln. Nach Anhang I Nummer 1.8 der Gefahrstoffverordnung sind solche Geräte in Zone 1 und Zone 2 zulässig, nicht aber in Zone 0. Dafür ist Kategorie 1 nötig.
Darf die Ladestation eines Roboters im Ex-Bereich stehen?
Nur wenn sie selbst eine passende Ex-Zulassung hat. Oft ist das nicht der Fall, und die Ladestation muss außerhalb der Zone stehen. Planen Sie den Weg vom Einsatzbereich zur Station in die Route ein. Prüfen Sie im Zertifikat, welche Komponenten des Systems erfasst sind.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Richtlinie 2014/34/EU (ATEX-Produktrichtlinie)
- Richtlinie 1999/92/EG (ATEX-Betriebsrichtlinie)
- Gefahrstoffverordnung, Anhang I Nummer 1.7 und 1.8
- Explosionsschutzprodukteverordnung (11. ProdSV)
- ANYbotics: ANYmal X
- JPT: Company Releases Four-Legged Robot for Explosive Environments (24.03.2022)
- Betriebssicherheitsverordnung
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
08 Weiter
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