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Recht · CE-Kennzeichnung

CE-Kennzeichnung humanoider Roboter.Wer haftet, was Sie prüfen.

Ein humanoider Roboter braucht für den Einsatz in der EU eine CE-Kennzeichnung und eine EU-Konformitätserklärung. Verantwortlich ist der Hersteller. Sitzt er außerhalb der EU, etwa in Shanghai, muss nach der Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 ein Wirtschaftsakteur in der EU benannt sein, zum Beispiel ein Einführer oder Bevollmächtigter. Bis 19. Januar 2027 gilt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, ab 20. Januar 2027 die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Daneben greifen weitere Rechtsakte, etwa für Funk und elektromagnetische Verträglichkeit. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Glasfigur eines humanoiden Roboters auf einem Silbersockel, davor geschichtete Glasplatten wie Normblätter, kupferne Kante
Vor dem Pilot: Konformität, Risikobeurteilung, Arbeitsschutz.

01  Grundlage

Was die CE-Kennzeichnung bei einem Humanoiden aussagt.

Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass der Roboter alle für ihn geltenden EU-Harmonisierungsrechtsakte erfüllt. Die CE-Kennzeichnung ist kein Prüfsiegel einer Behörde. Sie ist eine Selbsterklärung, die nur in bestimmten Fällen eine notifizierte Stelle einbezieht.

Bei einem humanoiden Roboter ist die Lage vielschichtiger als bei einer klassischen Werkzeugmaschine. Der Roboter läuft, greift, funkt, lädt Akkus und erhält Software über das Netz. Jeder dieser Punkte kann einen eigenen Rechtsakt auslösen. Die EU-Konformitätserklärung muss alle angewandten Rechtsakte nennen.

Die CE-Kennzeichnung ersetzt nicht die Pflichten des Betreibers. Nach § 3 Abs. 1 der Betriebssicherheitsverordnung entbindet eine vorhandene CE-Kennzeichnung nicht von der Gefährdungsbeurteilung. Für EHS-Abteilungen großer Werke ist das der Startpunkt, nicht das Ende der Prüfung.

02  Rechtsakte

Welche EU-Rechtsakte für Humanoide in Frage kommen.

RechtsaktWann relevant beim HumanoidenStand Oktober 2026
Maschinenrichtlinie 2006/42/EGGrundlage für Roboter, die bis 19.01.2027 in Verkehr gebracht werdengilt, wird am 20.01.2027 abgelöst
Maschinenverordnung (EU) 2023/1230Grundlage für Roboter ab 20.01.2027, mit Anforderungen an lernende Sicherheitsfunktionengilt ab 20.01.2027
Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EUWLAN, 5G, Bluetooth für Flottensteuerung und Fernwartunggilt
EMV-Richtlinie 2014/30/EUElektromagnetische Verträglichkeit von Antrieben und Elektronik, soweit nicht von der Funkanlagenrichtlinie erfasstgilt
ATEX-Richtlinie 2014/34/EUNur bei Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen, etwa Inspektionsvierbeiner in Chemie oder Energiegilt
Cyberresilienz-Verordnung (EU) 2024/2847Produkte mit digitalen Elementen, also auch vernetzte RoboterHauptpflichten ab 11.12.2027

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03  Import

Import aus China: wer in der EU verantwortlich ist.

Die Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 verlangt in Art. 4 für Maschinen einen in der EU niedergelassenen Wirtschaftsakteur. Das kann ein Hersteller mit Sitz in der EU sein, ein Einführer, ein Bevollmächtigter oder ein Fulfilment-Dienstleister. Name und Kontaktdaten dieses Akteurs müssen am Produkt, auf der Verpackung oder in den Begleitunterlagen stehen.

Ein Konzern, der einen Humanoiden direkt in Shanghai bestellt und selbst einführt, kann damit selbst in die Rolle des Einführers rutschen. Der Einführer muss unter anderem prüfen, ob das Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt wurde und die technischen Unterlagen vorliegen. Klären Sie im Einkauf, wer diese Rolle übernimmt, bevor die erste Lieferung durch den Zoll geht.

Über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai suchen wir den passenden Roboter. Bei der Vermittlung fordert PhoenixOne die EU-Konformitätserklärung, die Betriebsanleitung und die Risikobeurteilung des Herstellers vorab an und lässt sie prüfen. Rechtsberatung leisten wir nicht, die Rollenverteilung klären Sie mit Ihrer Rechtsabteilung.

04  Integration

Roboter allein oder in der Anlage: wann eine neue CE-Kennzeichnung nötig ist.

Die Normenreihe ISO 10218 behandelt einen Industrieroboter ohne Werkzeug als unvollständige Maschine. Für eine unvollständige Maschine gibt es keine CE-Kennzeichnung, sondern eine Einbauerklärung mit Montageanleitung. Ein Humanoide mit eigenen Händen und eigener Aufgabe wird häufig als vollständige Maschine geliefert.

Sobald der Humanoide mit Fördertechnik, Werkstückträgern oder Schutzeinrichtungen zu einer Gesamtheit verbunden wird, kann eine neue Gesamtmaschine entstehen. Wer diese Gesamtheit errichtet, trägt dafür die Herstellerpflichten, also auch die CE-Kennzeichnung. In großen Werken übernimmt das oft der Systemintegrator oder die eigene Anlagenplanung.

05  Prüfliste

Konformitätserklärung prüfen: so gehen Sie vor.

  1. Hersteller und Ansprechpartner

    Name und Anschrift des Herstellers, dazu der Wirtschaftsakteur in der EU. Fehlt dieser, ist das ein Warnsignal.

  2. Eindeutige Identifikation

    Modell, Typ und Seriennummer stimmen mit dem gelieferten Roboter überein. Bei Flotten für mehrere Werke gilt das je Einheit.

  3. Angewandte Rechtsakte

    Maschinenrichtlinie oder Maschinenverordnung, dazu Funk und EMV. Bei Ex-Bereichen zusätzlich ATEX.

  4. Normen und Prüfstelle

    Angewandte harmonisierte Normen mit Ausgabedatum. Bei Anhang I Teil A die Kennnummer der notifizierten Stelle und die Nummer der Bescheinigung.

  5. Unterschrift und Datum

    Unterschrift einer bevollmächtigten Person mit Ort und Datum. Das Datum zeigt, nach welchem Recht bewertet wurde.

06  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Brauchen humanoide Roboter eine CE-Kennzeichnung?

Ja. Ein humanoider Roboter, der in der EU als Maschine in Verkehr gebracht wird, braucht eine CE-Kennzeichnung und eine EU-Konformitätserklärung. Bis 19. Januar 2027 ist die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG die Grundlage, danach die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Hinzu kommen je nach Ausstattung weitere Rechtsakte, etwa die Funkanlagenrichtlinie für WLAN oder 5G.

Wer ist verantwortlich, wenn der Roboter aus China kommt?

Zuerst der Hersteller in China. Zusätzlich verlangt die Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 für Maschinen einen Wirtschaftsakteur mit Sitz in der EU, etwa einen Einführer oder Bevollmächtigten. Führt Ihr Unternehmen den Roboter selbst ein, können Sie Einführer sein und dessen Pflichten tragen. Klären Sie die Rolle vor der Bestellung.

Ist eine CE-Kennzeichnung ein Prüfzeichen?

Nein. Die CE-Kennzeichnung ist eine Erklärung des Herstellers, dass sein Produkt die geltenden EU-Anforderungen erfüllt. Eine unabhängige Prüfung ist nur in bestimmten Fällen vorgeschrieben, etwa bei Maschinen nach Anhang I Teil A der Maschinenverordnung. Freiwillige Prüfzeichen von Prüfstellen sind etwas anderes und ersetzen die CE-Kennzeichnung nicht.

Muss ich nach dem Einbau des Roboters eine neue CE-Kennzeichnung machen?

Das kann nötig sein. Verbinden Sie den Humanoiden mit anderen Maschinen und Schutzeinrichtungen zu einer Gesamtheit, entsteht oft eine neue Gesamtmaschine. Wer diese errichtet, hat die Herstellerpflichten und muss Konformitätsbewertung, Erklärung und CE-Kennzeichnung für die Gesamtheit übernehmen. Ob das zutrifft, entscheidet sich am konkreten Aufbau in Ihrer Halle.

Gilt die Cyberresilienz-Verordnung für Roboter?

Für vernetzte Roboter in der Regel ja, denn sie sind Produkte mit digitalen Elementen. Die Hauptpflichten der Cyberresilienz-Verordnung (EU) 2024/2847 gelten ab dem 11. Dezember 2027. Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen gelten bereits früher. Fragen Sie den Hersteller, wie er Sicherheitsupdates über die Nutzungsdauer bereitstellt.

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