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Spezial · Chemie

Vierbeiner in der Chemieanlage.Mehr Augen auf Rohrbrücken und Pumpen.

Ein Vierbeiner in der Chemieanlage übernimmt Kontrollgänge, die heute Anlagenfahrer machen: Pumpen abhören, Flansche mit der Wärmebildkamera prüfen, Anzeigen ablesen und mit Gassensoren nach Leckagen suchen. Die größte Hürde sind die Ex-Zonen. Viele Bereiche einer Chemieanlage sind als Zone 1 oder Zone 2 ausgewiesen, und dort darf nach der Gefahrstoffverordnung nur ein Gerät der passenden Kategorie arbeiten. Ein Vierbeiner mit belegter Zulassung bis Zone 1 ist laut Hersteller ANYmal X von ANYbotics. Geräte ohne Ex-Zulassung bleiben auf Bereiche außerhalb der Zonen beschränkt, etwa Tanklager-Umfahrungen oder Nebenanlagen.

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Drei Glasfiguren nebeneinander: zweibeiniger Roboter, Roboter auf Rädern, Vierbeiner, auf Silberplatte
Drei Roboterklassen. Welche passt, entscheidet die Aufgabe.

01  Aufgaben

Was ein Vierbeiner in der Chemieanlage prüft.

PrüfaufgabeSensorWas erkannt werden kann
Pumpen und MotorenMikrofon, WärmebildUngewöhnliche Geräusche, heiße Lager
Flansche und VentileWärmebild, Gassensor, ZoomkameraTemperaturauffälligkeiten, Gaskonzentration, sichtbare Tropfen
AnzeigenZoomkamera mit AbleseprogrammDruck, Füllstand, Temperatur auf analogen Anzeigen
Rohrbrücken und IsolierungenKamera, WärmebildSchäden an Isolierung, Wärmebrücken, Korrosionsspuren
Auffangwannen und BödenKameraFlüssigkeitsansammlungen, Verschmutzungen
Notduschen und FluchtwegeKameraFreie Wege, Zustand von Sicherheitseinrichtungen

02  Ablauf

Der Kontrollgang mit einem Laufroboter.

  1. Zonen prüfen

    Vor der Planung legt das Team anhand des Explosionsschutzdokuments fest, welche Bereiche der Roboter betreten darf. Ohne passende Zulassung bleiben alle Ex-Zonen gesperrt.

  2. Route und Prüfpunkte

    Die Route führt durch die freigegebenen Bereiche. Prüfpunkte stammen aus den bisherigen Kontrollrunden der Anlagenfahrer.

  3. Rundgang in der Schicht

    Der Roboter läuft die Route mehrmals pro Schicht ab. Häufigere Rundgänge sind sein Vorteil gegenüber dem Menschen.

  4. Alarm bei Abweichung

    Bei Gaswerten oder Temperaturen über dem Grenzwert meldet der Roboter sofort an die Messwarte. Ein Mensch bewertet die Lage.

  5. Daten für die Instandhaltung

    Trends aus vielen Rundgängen zeigen, welche Pumpe wärmer wird oder lauter läuft. Das hilft bei der Planung von Wartungen.

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03  Ex-Zonen

Ex-Zonen in der Chemie: die entscheidende Frage.

Die Gefahrstoffverordnung teilt explosionsgefährdete Bereiche in Anhang I Nummer 1.7 in Zonen ein. In Zone 1 kann sich im Normalbetrieb gelegentlich eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre aus Gasen, Dämpfen oder Nebeln bilden. In Zone 2 tritt sie im Normalbetrieb normalerweise nicht auf. Nach Nummer 1.8 Absatz 3 sind in Zone 1 Geräte der Kategorie 1 oder 2 zulässig, in Zone 2 Geräte der Kategorie 1, 2 oder 3.

Für einen Vierbeiner heißt das: Ohne Zulassung nach der Richtlinie 2014/34/EU für die richtige Kategorie darf er nicht in die Zone. Der Hersteller ANYbotics nennt für ANYmal X Zulassungen nach ATEX und IECEx bis Zone 1, beschränkt auf Gasgruppe IIB. Gasgruppe IIB deckt nicht alle Stoffe ab. Für Wasserstoff und Acetylen ist Gasgruppe IIC nötig. Prüfen Sie deshalb neben der Zone auch Gasgruppe und Temperaturklasse im Zertifikat.

In den Datenblättern der chinesischen Industrie-Vierbeiner, die wir ausgewertet haben, ist kein Ex-Schutz genannt. Solche Geräte kommen in einer Chemieanlage nur außerhalb der Zonen in Frage.

04  Abgrenzung

Vierbeiner, feste Gaswarnanlage oder Anlagenfahrer?

Ein Vierbeiner ersetzt keine fest installierte Gaswarnanlage. Ortsfeste Gaswarngeräte messen dauerhaft an definierten Stellen und lösen sicherheitsgerichtete Maßnahmen aus. Der Roboter misst nur, wenn er vorbeikommt. Er ist eine Ergänzung für Stellen zwischen den festen Sensoren und für Auffälligkeiten, die kein Gassensor erfasst, etwa Geräusche oder Wärmebilder.

Auch der Anlagenfahrer bleibt. Er kennt seine Anlage, riecht, hört und greift ein. Der Roboter kann seine Runden verdichten, etwa nachts oder bei schlechtem Wetter, und Daten liefern, die ein Mensch auf einem Rundgang nicht dokumentiert.

Ein guter Einstieg sind Bereiche außerhalb der Zonen, in denen trotzdem viel zu prüfen ist: Kühlwasserkreisläufe, Pumpenhäuser ohne brennbare Stoffe, Tanklager-Umfahrungen, Nebenanlagen. Dort lassen sich Route, Datenqualität und Akzeptanz testen, bevor über ein teureres Ex-Gerät entschieden wird.

05  Recht

Störfall-Verordnung, Fremdfirmen und Datenschutz.

Viele Chemieanlagen sind Betriebsbereiche nach der Störfall-Verordnung (12. BImSchV). Der Betreiber muss dort nach § 8 ein Konzept zur Verhinderung von Störfällen erstellen und zu seiner Umsetzung ein Sicherheitsmanagementsystem nach Anhang III anwenden. Ein neuer Inspektionsroboter verändert Abläufe und sollte deshalb im Rahmen des Änderungsmanagements bewertet werden. Für Bewertung und Freigabe sind die Fachleute des Betreibers zuständig. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

In Chemieparks arbeiten viele Fremdfirmen. Ihre Beschäftigten werden von den Kameras des Roboters ebenso erfasst wie die eigenen. Hinweise an den Zugängen und Regeln in den Fremdfirmenverträgen gehören zur Vorbereitung.

Denken Sie auch an Wetter und Korrosion. Chemieanlagen stehen oft im Freien, und manche Atmosphären greifen Dichtungen und Gehäuse an. Fragen Sie nach Schutzart, Temperaturbereich und Beständigkeit der Materialien gegen die Stoffe, die in Ihrer Anlage vorkommen.

Über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai fragen wir für Chemieanlagen zuerst nach Ex-Zulassung, Gasgruppe, Temperaturklasse und Sensorpaketen. Fehlt eine Zulassung, sagen wir das klar und benennen die Bereiche, in denen das Gerät trotzdem arbeiten kann.

06  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Dürfen Vierbeiner-Roboter in Chemieanlagen eingesetzt werden?

Ja, außerhalb von Ex-Zonen ohne besondere Zulassung, innerhalb nur mit Zulassung nach der Richtlinie 2014/34/EU für die jeweilige Kategorie. In Zone 1 sind Geräte der Kategorie 1 oder 2 zulässig. Belegt ist eine Zone-1-Zulassung zum Beispiel für ANYmal X von ANYbotics. Prüfen Sie das Zertifikat vor jedem Einsatz.

Was bedeutet Gasgruppe IIB bei Ex-Robotern?

Die Gasgruppe gibt an, für welche Gase ein Ex-Gerät geeignet ist. IIB deckt viele Industriegase ab, aber nicht Wasserstoff und Acetylen, die Gasgruppe IIC verlangen. Für eine Chemieanlage müssen Zone, Gasgruppe und Temperaturklasse des Geräts zu den Stoffen im Bereich passen.

Kann ein Laufroboter die feste Gasüberwachung in der Chemie ersetzen?

Nein. Ortsfeste Gaswarnanlagen messen dauerhaft und lösen Schutzmaßnahmen aus. Ein Roboter misst nur, wenn er an einer Stelle vorbeikommt. Er ergänzt feste Sensoren an Stellen dazwischen und liefert zusätzliche Daten wie Wärmebilder und Geräusche. Die sicherheitsgerichtete Überwachung bleibt bei der festen Technik.

Welche Sensoren braucht ein Roboter in der Chemieanlage?

Üblich sind eine Zoomkamera zum Ablesen von Anzeigen, eine Wärmebildkamera für Flansche, Lager und Isolierungen, ein Mikrofon für Pumpen und Motoren und ein Gassensor für brennbare oder giftige Gase. ANYbotics nennt für ANYmal X einen optionalen Gassensor. Die Auswahl richtet sich nach den Stoffen der Anlage.

Muss ein Inspektionsroboter ins Sicherheitsmanagement nach Störfall-Verordnung?

In Betriebsbereichen nach der Störfall-Verordnung führt der Betreiber ein Sicherheitsmanagementsystem. Ein neuer Roboter verändert Abläufe und sollte deshalb im Änderungsmanagement bewertet werden. Wie das im Einzelfall aussieht, entscheiden die Fachleute des Betreibers. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Im Zweifel entscheidet die Fachabteilung für Explosionsschutz.

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