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Integration · Teleoperation

Teleoperation humanoider Roboter.Vom Vormachen zur neuen Aufgabe.

Bei der Teleoperation steuert ein Mensch einen humanoiden Roboter aus der Ferne, etwa mit VR-Brille und Handsteuerung. Die dabei aufgezeichneten Bewegungen und Kamerabilder dienen als Trainingsdaten für Imitation Learning: Der Roboter lernt die Aufgabe aus Vorführungen. Forscher zeigten 2023 mit dem System ALOHA und dem Verfahren ACT, dass feine Greifaufgaben mit rund zehn Minuten Vorführung zu 80 bis 90 Prozent gelingen können, im Labor. Im Werk fallen dabei Video- und Bewegungsdaten an. Sobald Beschäftigte darauf zu sehen sind oder die Bediener erfasst werden, greifen DSGVO und die Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Eine Roboterhand aus Glas greift ein Werkstück auf einem silbernen Förderband, Kupferlinie verbindet zu einem Leitstand
Integration heißt: Roboter, Station, Leitsystem und Menschen zusammenbringen.

01  Begriffe

Teleoperation und Imitation Learning: Was ist was?

BegriffBedeutungRolle im Werk
TeleoperationEin Mensch steuert den Roboter in Echtzeit aus der Ferne, oft mit VR-Brille, Handschuhen oder Steuerarmen.Einlernen neuer Aufgaben, Hilfe bei Störungen, Datensammlung
Imitation LearningDer Roboter lernt eine Aufgabe aus aufgezeichneten Vorführungen eines Menschen.Training neuer Handgriffe ohne klassische Programmierung
Motion CaptureBewegungen eines Menschen werden mit Anzug oder Kameras erfasst und auf den Roboter übertragen.Datensammlung beim Hersteller, seltener im Werk
Eingriff aus der FerneEin Bediener übernimmt kurz, wenn der Roboter nicht weiterweiß.Rückfallebene im Betrieb, muss als Kennzahl gezählt werden

02  Praxis

Wie Hersteller Trainingsdaten sammeln.

Humanoide Roboter lernen neue Handgriffe heute meist aus Daten, die Menschen erzeugen. Laut einem Bericht von heise online vom August 2024 setzte Tesla für Optimus im Jahr 2023 mehr als 50 Beschäftigte in Motion-Capture-Anzügen mit VR-Brille ein, um Trainingsdaten zu sammeln.

Das Forschungsprojekt ALOHA der Stanford University zeigte 2023, wie günstige Hardware und das Verfahren Action Chunking with Transformers (ACT) feine Aufgaben lernen. Beispiele waren das Öffnen eines Bechers und das Einsetzen einer Batterie. Wichtig für die Einordnung: Das sind Laborergebnisse unter kontrollierten Bedingungen. In einer Werkshalle mit wechselndem Licht, anderen Teilen und Menschen ringsum braucht es mehr Daten und Nacharbeit.

Für Sie als Betreiber heißt das: Fragen Sie den Hersteller, wie eine neue Aufgabe eingelernt wird. Macht das der Hersteller aus der Ferne, Ihr Personal vor Ort oder beide? Und wie viele Vorführungen braucht es erfahrungsgemäß, bis der Roboter die Kennzahlen im Messbetrieb erreicht?

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03  Ablauf

Neue Aufgabe einlernen: der typische Ablauf.

  1. Aufgabe zerlegen

    Die Aufgabe wird in kurze Abschnitte geteilt: greifen, heben, einlegen, prüfen. Jeder Abschnitt bekommt ein klares Ende.

  2. Vorführungen aufnehmen

    Geschulte Bediener führen die Aufgabe per Teleoperation viele Male aus. Variationen sind gewollt: andere Lagen, andere Teile aus derselben Familie.

  3. Training und Test

    Das Modell wird trainiert, meist auf Rechnern des Herstellers. Danach folgt ein Test im abgesperrten Bereich mit Zählung der Fehlversuche.

  4. Betrieb mit Eingriffen

    Im Betrieb übernimmt ein Bediener bei Unsicherheit aus der Ferne. Jeder Eingriff wird protokolliert und fließt in das nächste Training ein.

  5. Freigabe nach Änderung

    Ein neu trainiertes Modell verändert das Verhalten des Roboters. Es gehört in das Änderungsverfahren mit Prüfung der Risikobeurteilung.

04  Datenschutz

Datenschutz und Betriebsrat bei der Teleoperation.

  • Mitbestimmung: Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) hat der Betriebsrat mitzubestimmen bei technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Kameras eines Humanoiden und Protokolle der Teleoperation können solche Einrichtungen sein. Klären Sie das früh mit dem Betriebsrat.
  • Rechtsgrundlage: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erlaubt in Art. 88 spezifischere Regeln für den Beschäftigtenkontext, etwa durch Betriebsvereinbarungen. Der Europäische Gerichtshof hat am 30. März 2023 in der Rechtssache C-34/21 geprüft, welche Voraussetzungen solche spezifischeren Vorschriften nach Art. 88 Abs. 2 DSGVO erfüllen müssen. Eine Betriebs- oder Konzernbetriebsvereinbarung sollte deshalb sauber begründet sein.
  • Datenschutz-Folgenabschätzung: Bei systematischer Videoerfassung von Beschäftigten ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO zu prüfen.
  • Datenfluss ins Ausland: Wenn Trainingsdaten zum Hersteller übertragen werden, auch nach China, brauchen Sie eine Grundlage für die Übermittlung in ein Drittland nach Kapitel V DSGVO. Klären Sie, ob Gesichter vor der Übertragung unkenntlich gemacht werden.
  • Konzernmaßstab: Bei Rollouts über mehrere Werke ist oft der Gesamt- oder Konzernbetriebsrat zuständig. Eine Rahmenvereinbarung spart Verhandlungen in jedem Werk.
  • Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Stimmen Sie die Details mit Datenschutzbeauftragten und Arbeitsrecht ab.

05  Auswahl

Worauf Sie bei Herstellern achten sollten.

Die Teleoperation humanoider Roboter ist im Jahr 2026 ein normaler Teil des Betriebs und kein Zeichen von Schwäche. Wichtig ist, dass Sie die Zahl der Eingriffe offen messen. Ein Roboter, der jede zehnte Bewegung aus der Ferne braucht, ist im Werk kein autonomer Mitarbeiter, sondern ein ferngesteuertes Werkzeug.

Fragen Sie deshalb konkret nach: Wo sitzen die Teleoperatoren? Wer sieht die Kamerabilder? Werden Daten aus Ihrem Werk für das Training anderer Kunden genutzt? Lässt sich das vertraglich ausschließen? Für Konzerne mit Geheimhaltungspflichten gegenüber eigenen Kunden ist der letzte Punkt oft entscheidend.

PhoenixOne hilft als Vermittler bei dieser Klärung: Über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai fordern wir Angaben zum Einlernverfahren, zu Datenflüssen und zur Teleoperation vorab an. So haben Datenschutz, IT/OT-Security und Betriebsrat eine Grundlage, bevor der Pilot beginnt.

06  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Werden humanoide Roboter ferngesteuert?

Teilweise ja. Viele humanoide Roboter werden zum Einlernen neuer Aufgaben und bei Störungen per Teleoperation aus der Ferne gesteuert. Im Normalbetrieb sollen sie die gelernte Aufgabe selbst ausführen. Wie oft ein Mensch eingreifen muss, ist eine der wichtigsten Kennzahlen im Pilotprojekt.

Wie lernt ein humanoider Roboter eine neue Aufgabe?

Meist über Imitation Learning. Ein Mensch führt die Aufgabe per Teleoperation viele Male vor, der Roboter zeichnet Bewegungen und Kamerabilder auf, daraus wird ein Modell trainiert. Im Labor reichten beim Forschungssystem ALOHA rund zehn Minuten Vorführung für einzelne feine Aufgaben. Im Werk braucht es meist mehr Daten.

Muss der Betriebsrat bei humanoiden Robotern zustimmen?

Oft ja. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bestimmt der Betriebsrat mit bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Kameras und Teleoperations-Protokolle eines Humanoiden können darunter fallen. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Dürfen Trainingsdaten aus dem Werk an den Roboterhersteller gehen?

Nur mit Rechtsgrundlage und Regeln. Enthalten die Daten Bilder von Beschäftigten, gilt die DSGVO, bei Übertragung in ein Drittland wie China zusätzlich Kapitel V DSGVO. Klären Sie vertraglich, welche Daten das Werk verlassen, ob sie anonymisiert werden und ob der Hersteller sie für andere Kunden nutzen darf.

Wer steuert den Roboter bei der Teleoperation?

Das hängt vom Hersteller ab. Manche betreiben eigene Teleoperations-Teams, andere schulen Personal des Betreibers. Für das Werk ist wichtig zu wissen, wo diese Personen sitzen, welche Kamerabilder sie sehen und wie ihr Zugriff abgesichert ist. Das gehört in die Freigabe der IT/OT-Security.

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