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Branche · Chemieindustrie

Humanoide Roboter in der Chemieindustrie.Ohne Ex-Zulassung kein Einsatz in der Anlage.

Humanoide Roboter in der Chemieindustrie dürfen in explosionsgefährdeten Bereichen nur arbeiten, wenn sie eine passende Zulassung nach der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU haben. Stand Oktober 2026 ist uns kein Humanoide mit einer solchen Zulassung bekannt. Für Kontrollrundgänge in Ex-Zone 1 gibt es dagegen zugelassene Vierbeiner, die in deutschen Chemieparks bereits getestet wurden. Die Herstellung chemischer Erzeugnisse (WZ 20) beschäftigte laut Destatis Ende September 2025 rund 342.100 Menschen in 1.705 Betrieben ab 20 tätigen Personen. Humanoide kommen außerhalb der Ex-Zonen in Frage, etwa in Labor, Abfüllung und Lager.

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Ein humanoider Roboter aus Glas und Silber steht in einem Modell einer Fertigungshalle, Gelenke kupfern
Humanoide Roboter in der Industrie: Pilot an einer Station, dann in die Fläche.

01  Aufgaben

Humanoide Roboter in der Chemie: Aufgaben nach Bereich.

BereichRobotertypEinschätzung Stand 2026
Kontrollrundgang in Ex-Zone 1, Ablesen von AnzeigenVierbeiner mit Ex-ZulassungErprobt in Piloten, siehe unten.
Rundgang außerhalb von Ex-Zonen, etwa Kühltürme, PumpenhäuserVierbeiner ohne Ex-SchutzGeeignet, Schutzart gegen Regen und Staub beachten.
Probenlogistik zwischen Anlage und LaborHumanoide oder mobile RoboterDenkbar, wenn der Weg keine Ex-Zone kreuzt.
Probenvorbereitung im LaborHumanoide oder LaborautomationFür einen Piloten denkbar, feste Laborautomation ist bei hohen Probenzahlen oft besser.
Gebinde abfüllen und etikettierenIndustrieroboter, AbfüllanlageHumanoide nur für Restaufgaben, Gefahrstoffkontakt beachten.
Ventile betätigen und Proben ziehen in der AnlageKeiner der aktuellen HumanoidenUngeeignet in Ex-Zonen ohne Zulassung, Handlungsfreigaben sind kritisch.

02  Anforderungen

Ex-Schutz, Gefahrstoffe, Störfallrecht: was Chemieanlagen verlangen.

Der Explosionsschutz ist die erste Hürde. In Ex-Bereichen darf nur ein Gerät arbeiten, das für die jeweilige Zone zugelassen ist. Für Geräte gilt die ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU, für den Betrieb die Richtlinie 1999/92/EG, in Deutschland umgesetzt über Gefahrstoffverordnung und Betriebssicherheitsverordnung. Ein Humanoide mit vielen Motoren, Akkus und Elektronik ist schwer explosionsgeschützt zu bauen. Das erklärt, warum Inspektionsvierbeiner hier weiter sind.

Zweitens zählt der Umgang mit Gefahrstoffen. Ein Roboter, der Gebinde öffnet oder Proben zieht, kann mit Stoffen in Kontakt kommen, die Dichtungen, Kunststoffe oder Sensoren angreifen. Hersteller müssen die chemische Beständigkeit ihrer Materialien angeben können. Nach Kontamination stellt sich die Frage, wie der Roboter gereinigt und gewartet wird, ohne Beschäftigte zu gefährden.

Drittens unterliegen viele große Standorte dem Störfallrecht. Wer neue Technik in sicherheitsrelevanten Anlagenteilen einsetzt, muss das im Sicherheitsmanagement abbilden. Für Konzerne mit Chemieparks gilt deshalb: zuerst Inspektion und Datenerfassung, Eingriffe in den Prozess erst nach langer Erprobung.

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03  Vorschriften

Vorschriften mit Fundstelle für Roboter in der Chemie.

VorschriftFundstelleInhalt
Richtlinie 2014/34/EU (ATEX-Produktrichtlinie)Art. 1, Anhang IGerätegruppen und Kategorien für Geräte in explosionsfähiger Atmosphäre.
Richtlinie 1999/92/EG (ATEX-Betriebsrichtlinie)Anhang IEinteilung explosionsgefährdeter Bereiche in Zonen 0, 1, 2 und 20, 21, 22.
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)§ 6, Anhang I Nr. 1Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmen gegen Brand- und Explosionsgefährdungen, einschließlich Explosionsschutzdokument.
Störfall-Verordnung (12. BImSchV)§ 8 Konzept zur Verhinderung von StörfällenSicherheitsmanagement für Betriebsbereiche, in die neue Technik eingeordnet wird.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)§ 3Gefährdungen durch den Roboter selbst werden vor dem ersten Einsatz in der Anlage beurteilt.

04  Piloten

Belegte Piloten in Chemieparks.

Der bekannteste Fall in Deutschland stammt aus Ludwigshafen. Laut ANYbotics testete BASF den explosionsgeschützten Vierbeiner ANYmal X in Ex-Zone 1 am Steamcracker und an der Oxo-Anlage. Der Roboter las laut Fallbericht vom August 2023 Füllstände, Anzeigen und Schalterstellungen ab und nahm Wärmebilder von Tanks und Pumpen auf, rund 20 Prüfpunkte pro Mission von etwa 20 Minuten.

Für humanoide Roboter gibt es Stand Oktober 2026 keinen öffentlich belegten Einsatz in einer Chemieanlage. Die Investition des Mineralölkonzerns Sinopec in den Humanoiden-Hersteller Galbot, über die Technode im März 2026 berichtet hat, ist eine Finanzbeteiligung und kein Einsatz.

Zur Größe der Branche: Die chemische Industrie setzte 2025 laut Destatis rund 158,4 Milliarden Euro um. Die Beschäftigtenzahl in Betrieben ab 50 Personen sank bis Ende des dritten Quartals 2025 binnen eines Jahres um 1,2 Prozent. Für Inspektionsroboter ist die Branche einer der wichtigsten Märkte, für Humanoide noch nicht.

05  Vorgehen

Inspektion zuerst: Einstieg für Chemiestandorte.

  1. Zonenplan prüfen

    Welche Teile der geplanten Route liegen in Zone 1 oder 2? Daraus folgt, ob ein Ex-geschütztes Gerät nötig ist.

  2. Messpunkte festlegen

    Anzeigen, Füllstände, Leckagen, Temperaturen. Jeder Punkt braucht einen Grenzwert und einen Empfänger.

  3. Geräte anfragen

    PhoenixOne sucht über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai Vierbeiner mit passender Schutzart und, wo nötig, Ex-Zulassung und prüft die Unterlagen auf Vollständigkeit.

  4. Explosionsschutzdokument anpassen

    Den Roboter und seine Ladestation in Gefährdungsbeurteilung und Explosionsschutzdokument aufnehmen.

  5. Humanoide außerhalb der Ex-Zonen testen

    Labor, Lager oder Versand eignen sich für einen zweiten, getrennten Piloten.

06  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Dürfen humanoide Roboter in Ex-Zonen arbeiten?

Nur mit einer Zulassung für die jeweilige Zone nach der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU. Stand Oktober 2026 ist uns kein humanoider Roboter mit Ex-Zulassung bekannt. Für Zone 1 gibt es explosionsgeschützte Vierbeiner für Inspektionsaufgaben. Humanoide sollten deshalb nur außerhalb explosionsgefährdeter Bereiche eingesetzt werden.

Welche Roboter werden in deutschen Chemieparks getestet?

Öffentlich belegt ist der Test des explosionsgeschützten Vierbeiners ANYmal X bei BASF in Ludwigshafen, laut ANYbotics in Ex-Zone 1 am Steamcracker und an der Oxo-Anlage. Der Roboter las Anzeigen ab und nahm Wärmebilder auf. Humanoide Roboter sind in Chemieanlagen bisher nicht öffentlich im Einsatz.

Was kann ein Inspektionsroboter in einer Chemieanlage messen?

Typisch sind Wärmebilder von Pumpen, Tanks und Leitungen, das Ablesen analoger Anzeigen und Füllstände, Geräuschaufnahmen zur Erkennung von Lagerschäden sowie Gasmessungen. Die Daten fließen idealerweise in das Instandhaltungssystem. Der Roboter ergänzt Rundgänge von Beschäftigten, er ersetzt weder Sicherheitseinrichtungen noch die Verantwortung der Anlagenfahrer.

Wie viele Beschäftigte hat die Chemieindustrie in Deutschland?

Laut Destatis arbeiteten Ende September 2025 in der Herstellung chemischer Erzeugnisse 342.066 Personen in 1.705 Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen. Der Umsatz lag 2025 bei rund 158,4 Milliarden Euro. Die Pharmaindustrie wird statistisch getrennt erfasst und ist in diesen Zahlen nicht enthalten.

Muss ein Roboter ins Explosionsschutzdokument?

Wenn ein Roboter in oder nahe explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt wird, gehört er in die Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung und damit in das Explosionsschutzdokument. Das gilt auch für Ladestationen. Die Einzelfallprüfung übernehmen Ihre Fachleute für Explosionsschutz. Dies ist eine allgemeine Information ohne Rechtsberatung.

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