Einsatz · Verpackung
Verpackung mit Humanoiden.Wo die Verpackungsmaschine aufhört.
Verpackung mit humanoiden Robotern betrifft vor allem die Handarbeit rund um Verpackungsmaschinen: Kartons aufrichten, Produkte einlegen, Beipackzettel beilegen, Kartons auf Paletten stellen. Für hohe Stückzahlen gleicher Produkte sind Verpackungsmaschinen und Palettierroboter schneller und erprobt. Der Humanoide passt bei wechselnden Formaten, kleinen Losen und Verpackungsplätzen, die heute von Hand besetzt sind. Laut UBTech ist Depalettieren und Handling in der Intralogistik ein Einsatzfeld des Walker S2. Kommt der Roboter mit Lebensmitteln in Berührung, gilt Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 für Materialien mit Lebensmittelkontakt.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Ablauf
Typische Verpackungsaufgaben für einen humanoiden Roboter.
Karton vorbereiten
Der Roboter nimmt einen flachen Karton vom Stapel, richtet ihn auf und schließt den Boden oder legt ihn in einen Kartonaufrichter.
Befüllen
Er greift Produkte vom Band oder aus Behältern und legt sie im vorgegebenen Muster in den Karton. Bei Bedarf kommen Füllmaterial und Beipackzettel dazu.
Verschließen
Der Karton läuft in einen Verschließer, oder der Roboter klappt die Laschen um und übergibt an eine Klebebandmaschine.
Etikettieren und prüfen
Ein Etikettierer bringt das Versandetikett an. Der Roboter oder eine Kamera prüft, ob es lesbar ist.
Palettieren
Der Roboter stellt Kartons nach Packschema auf die Palette. Schwere Kartons und hohe Lagen bleiben oft einem Palettierroboter vorbehalten.
02 Anforderungen
Anforderungen an Roboter in der Verpackung.
| Merkmal | Bedarf | Herstellerangaben als Beispiel |
|---|---|---|
| Traglast | Einzelprodukte leicht, volle Kartons oft über 10 kg | Walker S2: 15 kg Hublast. Robotera STAR L7: bis 20 kg mit beiden Armen. Galbot S1: beide Arme bis 50 kg |
| Greifen | Produkte, Kartonzuschnitte, Folienbeutel | Wechsel zwischen Fingern und Saugnapf hilfreich |
| Takt | Muss zur Abfüllung passen | Im Piloten mit realem Format messen |
| Hygiene | Lebensmittel, Kosmetik, Pharma | Reinigbare Oberflächen, Materialien für Lebensmittelkontakt |
| Formatwechsel | Neue Produkte und Kartons ohne lange Umrüstung | Einlernzeit pro Format beim Hersteller erfragen |
| Packschema | Lagenbild auf der Palette | Anbindung an Packschema-Software oder Leitsystem |
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03 Abgrenzung
Humanoide oder Verpackungsmaschine: der ehrliche Vergleich.
Verpackungsmaschinen sind für große Stückzahlen gebaut. Schlauchbeutelmaschinen, Kartonierer und Palettierroboter verpacken in einem Takt, den ein Humanoide nicht erreicht. Für eine Linie, die monatelang dasselbe Produkt verpackt, ist klassische Verpackungstechnik fast immer die bessere Wahl.
Der Humanoide ist dort interessant, wo heute Menschen von Hand verpacken: bei Sonderformaten, Displays für den Handel, Mischpaletten, Musterkartons oder kleinen Losen mit häufigem Wechsel. Eine Maschine für jedes Format wäre dort zu teuer und zu unflexibel. Der Roboter nutzt die vorhandenen Packtische und kann zwischen Plätzen wechseln.
Ein ehrlicher Hinweis: Verpackungsplätze sind oft eng, und Menschen arbeiten dort in schnellem Rhythmus. Ein Roboter, der langsamer ist, kann den Fluss stören. Planen Sie den Pilotplatz so, dass er mit eigenem Puffer arbeitet und nicht im Takt der Nachbarplätze.
Prüfen Sie auch die Verpackungsmaterialien. Dünne Faltschachteln, Folien und lose Füllstoffe sind für Roboterhände schwieriger als stabile Wellpappe. Manchmal lohnt eine kleine Anpassung des Zuschnitts, etwa eine Grifflasche, damit der Roboter den Karton sicher fassen kann. Das ist oft günstiger als ein spezieller Greifer.
04 Lebensmittel
Lebensmittelkontakt: was für Greifer und Hände gilt.
Fasst der Roboter unverpackte Lebensmittel an, sind seine Greifer und Hände Materialien mit Lebensmittelkontakt. Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 verlangt, dass solche Materialien unter normalen Bedingungen keine Bestandteile in Mengen an Lebensmittel abgeben, die die Gesundheit gefährden oder Zusammensetzung, Geruch oder Geschmack unvertretbar verändern. Für Kunststoffe gibt es eigene Vorgaben.
Für viele Humanoide liegen dazu keine Angaben vor. Fragen Sie den Hersteller nach Materialien der Hände, nach Konformitätserklärungen für Lebensmittelkontakt und nach Reinigbarkeit. Ist das offen, beschränken Sie den Einsatz auf verpackte Ware. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
05 Kennzahlen
Pilot-Kennzahlen für die Verpackung.
- Kartons pro Stunde: fertig verpackte Einheiten, getrennt nach Format.
- Packfehler: falsche Menge, fehlender Beipackzettel, falsches Etikett pro 1.000 Kartons.
- Beschädigungen: gedrückte Produkte, eingerissene Kartons.
- Formatwechselzeit: Dauer vom letzten Karton des alten Formats bis zum ersten guten Karton des neuen.
- Palettenqualität: Stabilität und Maßhaltigkeit der fertigen Palette.
- Ergonomie: entfallene Hebe- und Bückvorgänge pro Schicht für Beschäftigte.
06 Sicherheit
Sicherheit am Packplatz und an der Palette.
Am Packplatz arbeitet der Roboter oft neben Menschen und neben Maschinen wie Verschließern und Etikettierern. Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz muss Quetschstellen an den Maschinen, die Reichweite der Roboterarme und herabfallende Kartons beim Palettieren erfassen. Für die Verknüpfung mit Verpackungsmaschinen gilt ISO 10218-2:2025 für Roboteranwendungen.
Beim Palettieren hilft die Lastenhandhabungsverordnung bei der Begründung: Nach § 2 sind gefährliche manuelle Lastenhandhabungen möglichst durch geeignete Arbeitsmittel zu vermeiden. Wir vermitteln Roboter für Verpackungsaufgaben über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai und fragen Traglast mit beiden Armen, Greiferoptionen und Materialien der Hände ab.
07 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Können humanoide Roboter verpacken?
Ja, vor allem bei Aufgaben, die heute von Hand erledigt werden: Kartons aufrichten, Produkte einlegen, Mischpaletten bilden. Für hohe Stückzahlen gleicher Produkte sind Verpackungsmaschinen und Palettierroboter schneller. Der Humanoide passt bei wechselnden Formaten und kleinen Losen, wo eine eigene Maschine zu teuer wäre.
Ist ein Humanoide zum Palettieren sinnvoll?
Für einfache Paletten mit gleichen Kartons in großer Menge nein. Ein Palettierroboter ist schneller und trägt mehr. Ein Humanoide kann bei Mischpaletten, wechselnden Packschemata und an Orten ohne Platz für eine Palettierzelle helfen. Prüfen Sie die Dauerlast mit beiden Armen gegen das Gewicht Ihrer vollen Kartons.
Darf ein Roboter Lebensmittel anfassen?
Ja, wenn seine Greifer die Anforderungen an Materialien mit Lebensmittelkontakt erfüllen. Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 verlangt, dass keine Bestandteile in gesundheitsgefährdenden Mengen übergehen. Für viele Humanoide fehlen dazu Angaben. Fragen Sie den Hersteller oder beschränken Sie den Einsatz auf verpackte Ware.
Wie schnell verpackt ein humanoider Roboter?
Verlässliche Taktzahlen veröffentlichen Hersteller selten. Rechnen Sie damit, dass ein Humanoide langsamer ist als ein geübter Mensch und deutlich langsamer als eine Verpackungsmaschine. Messen Sie die Leistung im Piloten mit Ihrem echten Format. Ein Puffer am Pilotplatz verhindert, dass der Roboter benachbarte Plätze bremst.
Was kostet ein Formatwechsel beim Roboter?
Das hängt vom Einlernverfahren ab. Viele Hersteller lernen neue Griffe über Vorführen oder Teleoperation ein, was schneller sein kann als klassische Programmierung. Belegte Zeiten pro Format gibt es kaum. Messen Sie im Piloten die Zeit vom letzten Karton des alten bis zum ersten guten Karton des neuen Formats.
Quellen · Stand Oktober 2026
- UBTech Robotics: Walker S2, Produktseite
- Robotera STAR L7 auf der CES 2026 (Pressemitteilung)
- Galbot S1, Produktseite
- Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, Art. 3
- ISO 10218-2:2025, Industrial robot applications and robot cells
- Lastenhandhabungsverordnung § 2
- Arbeitsschutzgesetz § 5
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
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