Einsatz · Kommissionierung
Kommissionierung mit Humanoiden.Greifen im Regal, das für Menschen gebaut ist.
Bei der Kommissionierung mit humanoiden Robotern holt der Roboter Artikel aus Regalen oder Behältern und legt sie auftragsweise in Versandbehälter. Sinnvoll ist das in bestehenden Person-zur-Ware-Lagern, deren Regale, Gänge und Fachhöhen für Menschen gebaut sind. Laut Galbot übernimmt dessen Modell S1 in Batteriewerken von CATL Materialtransport und Kommissionierung. Laut Robotera arbeiten dessen Roboter in mehr als zehn Logistikzentren von China Post und SF. Für hohe Pickleistung in neuen Lagern sind Ware-zur-Person-Systeme mit festen Pickrobotern in der Regel schneller. Grenzen setzen Greifvielfalt, Takt und die Traglast der Arme.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Ablauf
Der Ablauf einer Kommissionierung mit humanoiden Robotern.
Auftrag übernehmen
Das Lagerverwaltungssystem schickt eine Pickliste an den Roboter oder an eine Flottensoftware. Sie enthält Lagerplatz, Artikel, Menge und Zielbehälter.
Zum Lagerplatz fahren
Der Roboter fährt oder geht durch die Gänge zum Fach. Radbasierte Humanoide sind auf ebenem Hallenboden meist schneller als zweibeinige.
Artikel erkennen und greifen
Kameras erkennen den Artikel und seine Lage. Der Roboter wählt einen Griff, nimmt die Menge auf und prüft per Kamera oder Waage, ob die Stückzahl stimmt.
Ablegen und quittieren
Der Artikel kommt in den Auftragsbehälter. Der Roboter quittiert die Position im Lagerverwaltungssystem und fährt zum nächsten Platz.
Ausnahmen übergeben
Unbekannte Verpackung, leeres Fach oder ein Artikel, der nicht greifbar ist: Der Roboter meldet die Ausnahme an einen Menschen. Diese Quote ist eine Kernzahl im Piloten.
02 Anforderungen
Was der Roboter für die Kommissionierung können muss.
| Anforderung | Bedeutung im Lager | Veröffentlichte Herstellerwerte |
|---|---|---|
| Traglast | Die meisten Picks im Stückgutlager sind leicht, Kartons können schwer sein | Galbot G1: 5 kg pro Arm, 10 kg gesamt. Galbot S1: beide Arme bis 50 kg. AgiBot A2-W: 5 kg je Arm |
| Greifvielfalt | Kartons, Beutel, Blister, Flaschen, Folienware | Zweifinger- oder Mehrfingerhände, Saugnapf je nach Modell |
| Reichweite | Fachhöhen von bodennah bis etwa Kopfhöhe | Galbot G1: bis 1730 mm Höhe maximal; Hubachse bei mehreren radbasierten Modellen |
| Pickleistung | Picks pro Stunde entscheiden über die Wirtschaftlichkeit | Kaum veröffentlicht, im Piloten messen |
| Laufzeit | Mehrschichtbetrieb im Distributionszentrum | Galbot G1: 8 h pro Ladung. AgiBot A2-W: 5 h mit Akkutausch im Betrieb |
| Schnittstelle | Anbindung an Lagerverwaltung und Flottensteuerung | Beim Hersteller abfragen, etwa nach VDA 5050 oder eigener Schnittstelle |
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03 Abgrenzung
Wann Humanoide passen und wann andere Technik besser ist.
Ein humanoider Roboter in der Kommissionierung ist vor allem dann interessant, wenn das Lager bleiben soll, wie es ist. Fachbodenregale, Durchlaufregale und Gänge sind für Menschen gebaut. Ein Umbau auf ein automatisches Kleinteilelager mit Shuttles ist teuer und braucht Zeit. Der Humanoide nutzt die vorhandene Struktur.
Für neue Distributionszentren mit hoher Leistung sieht das anders aus. Ware-zur-Person-Systeme bringen den Behälter an einen festen Pickplatz. Dort greift ein stationärer Pickroboter oder ein Mensch. Diese Lösungen sind ausgereift und erreichen hohe Pickraten. Autonome mobile Roboter, kurz AMR, die Behälter oder Regale zum Menschen fahren, sind eine weitere bewährte Option.
Ehrlich gesagt: Ein Humanoide pickt heute langsamer als ein geübter Kommissionierer. Er kann aber Nachtstunden abdecken, in denen kein Personal da ist, und Spitzen ausgleichen. Rechnen Sie den Business Case deshalb auf zusätzliche Stunden, nicht nur auf ersetzte Arbeitsplätze.
Ein Zwischenweg ist die Mischform: Menschen kommissionieren die schwierigen Artikel, der Roboter übernimmt einfache Kartonware und die Nachschubwege. So steigt die Leistung der ganzen Zone, ohne dass der Roboter jeden Artikel beherrschen muss. Legen Sie diese Aufteilung vor dem Piloten fest, damit die Kennzahlen vergleichbar bleiben.
04 Kennzahlen
Pilot-Kennzahlen für die Kommissionierung.
- Picks pro Stunde: je Artikelgruppe getrennt messen, denn leichte Kartons und Beutelware unterscheiden sich stark.
- Pickgenauigkeit: falsche Artikel und falsche Mengen pro 1.000 Positionen.
- Greifquote: Anteil der Artikel im Sortiment, die der Roboter überhaupt sicher greifen kann.
- Ausnahmequote: Positionen, die an einen Menschen übergeben werden mussten.
- Wegezeitanteil: Wie viel der Zeit fährt der Roboter, wie viel greift er? Hohe Wegezeit spricht für Ware-zur-Person.
- Beschädigungen: gedrückte Kartons, gerissene Folien, Bruch.
05 Sicherheit
Sicherheit im Lager: Gänge, Personen, Flurförderzeuge.
In der Kommissionierung teilen sich Roboter, Menschen und Gabelstapler dieselben Gänge. Das macht die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz besonders wichtig. Zu prüfen sind Begegnungsverkehr, Sichtverhältnisse an Gangenden, Geschwindigkeit des Roboters und das Verhalten bei Annäherung von Personen.
Für fahrerlose Flurförderzeuge gibt es mit ISO 3691-4:2023 eine eigene Sicherheitsnorm. Für mobile Humanoide mit Armen ist die Normung noch in Arbeit: Der Entwurf ISO/CD 25785-1 für dynamisch stabile Industrieroboter mit Beinen ist laut ISO in Entwicklung. Bis dahin stützen sich Hersteller und Betreiber auf ISO 10218 und die allgemeine Risikobeurteilung nach ISO 12100. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Wir vermitteln Roboter für die Kommissionierung über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai. Dazu fragen wir Greiferoptionen, Traglast je Arm, Schnittstellen zur Lagersoftware und Sicherheitsfunktionen beim Hersteller ab.
06 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Können humanoide Roboter kommissionieren?
Ja, in begrenztem Umfang. Laut Herstellern arbeiten Humanoide bereits in Logistikzentren und Batteriewerken in China beim Sortieren und Kommissionieren. Sie greifen leichte Artikel aus Regalen und legen sie in Auftragsbehälter. Die Pickleistung liegt meist unter der eines geübten Menschen. Prüfen Sie Greifquote und Takt im eigenen Piloten.
Ist ein Humanoide schneller als ein Ware-zur-Person-System?
In der Regel nein. Ware-zur-Person-Systeme bringen Behälter an einen festen Pickplatz und erreichen hohe Pickraten. Ein Humanoide geht oder fährt zum Regal und verliert dabei Zeit. Sein Vorteil ist, dass bestehende Regale und Gänge ohne Umbau weiter genutzt werden können.
Welche Artikel kann ein humanoider Roboter greifen?
Gut greifbar sind Kartons, feste Verpackungen und formstabile Teile mit wenigen Kilogramm Gewicht. Schwierig sind Beutel, Folienware, sehr kleine Teile und glänzende Oberflächen. Die Traglast liegt laut Herstellern oft bei rund 5 kg je Arm. Ermitteln Sie die Greifquote für Ihr Sortiment vor dem Pilotstart.
Braucht ein Kommissionierroboter eine Anbindung an das Lagerverwaltungssystem?
Für den Regelbetrieb ja. Der Roboter braucht Aufträge mit Lagerplatz, Artikel und Menge und muss erledigte Positionen zurückmelden. Für mobile Roboter ist VDA 5050 eine verbreitete Schnittstelle. Klären Sie mit dem Hersteller, welche Schnittstellen der Roboter unterstützt und ob eine Flottensoftware dazwischen sitzt.
Wo sind Humanoide in der Kommissionierung schon im Einsatz?
Berichtete Einsätze gibt es vor allem in China. Laut Galbot kommissioniert das Modell S1 in Batteriewerken von CATL. Laut Robotera laufen dessen Roboter in mehr als zehn Logistikzentren von China Post und SF. In Deutschland testet laut Bericht Rossmann einen Walker S2 im Logistikzentrum Burgwedel.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Galbot S1, Pressemitteilung zur Traglast und zum Einsatz bei CATL (20.01.2026)
- Galbot G1, Produktseite
- AgiBot A2-W, Produktseite
- Humanoids Daily: Robotera, Finanzierungsrunde und Einsatz in Logistikzentren (28.04.2026)
- Humanoids Daily: Rossmann startet Pilot mit Walker S2 (16.04.2026)
- ISO 3691-4:2023, fahrerlose Flurförderzeuge
- ISO/CD 25785-1, Stand der Entwicklung
- ISO 12100:2010, Risikobeurteilung
- Arbeitsschutzgesetz § 5
- VDA 5050, Schnittstelle für mobile Roboter
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
07 Weiter
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