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Einsatz · Reinraum

Humanoide im Reinraum.Jeder Gelenkspalt ist eine Partikelquelle.

Humanoide Roboter im Reinraum müssen vor allem eines: wenig Partikel abgeben. Die Reinraumklassen nach ISO 14644-1 reichen von ISO-Klasse 1 bis 9 und begrenzen die Partikelzahl pro Kubikmeter Luft. In der Pharmaindustrie gilt zusätzlich der EU-GMP-Leitfaden, Anhang 1, dessen Neufassung seit dem 25. August 2023 anzuwenden ist. Ein Humanoide mit vielen Gelenken, Kabeln und Lüftern ist dafür eine schwierige Bauform. Eine Reinraumeignung haben wir bei keinem der von uns erfassten Industrie-Humanoiden in den Herstellerangaben gefunden. Für Reinräume sind reinraumtaugliche Industrieroboter und gekapselte Transportsysteme heute die erprobte Wahl.

Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
Eine Roboterhand aus Glas greift ein Werkstück auf einem silbernen Förderband, Kupferlinie verbindet zu einem Leitstand
Integration heißt: Roboter, Station, Leitsystem und Menschen zusammenbringen.

01  Ablauf

Typische Aufgaben im Reinraum und wie ein Roboter sie abläuft.

  1. Einschleusen

    Material und Roboter kommen über eine Schleuse in den Reinraum. Oberflächen werden vorher gereinigt oder desinfiziert.

  2. Material bereitstellen

    Der Roboter bringt Wafer-Boxen, Behälter oder Verbrauchsmaterial an die Anlage und übergibt sie an der Ladeschnittstelle.

  3. Anlagen bedienen

    Er legt Teile ein, startet Programme am Bedienpanel oder wechselt Behälter. Die Prozessanlage selbst arbeitet gekapselt.

  4. Proben und Kontrollen

    In der Pharmaindustrie gehören Proben für das Umgebungsmonitoring dazu. Hier gelten strenge Vorgaben aus dem GMP-Leitfaden.

  5. Ausschleusen und Reinigen

    Am Schichtende fährt der Roboter zur Reinigungsposition. Reinigungszyklen und Mittel richten sich nach dem Hygieneplan.

02  Anforderungen

Anforderungen an Roboter im Reinraum.

MerkmalBedarf im ReinraumWas beim Hersteller zu fragen ist
PartikelabgabePassend zur ISO-Klasse nach ISO 14644-1Nachweis über Partikelmessung am Roboter in Bewegung
OberflächenGlatt, ohne Spalten, beständig gegen DesinfektionMaterialliste, Beständigkeit gegen Reinigungsmittel
Lüfter und AbluftKeine Verwirbelung, keine ungefilterte AbluftKühlkonzept, Lage der Lüfter
ESDSchutz empfindlicher Elektronik vor EntladungAbleitfähigkeit von Händen und Gehäuse
SchmierstoffeKeine Ausgasung, keine KontaminationArt der Schmierung in Gelenken
NavigationEnge Gänge, glatte BödenPlatzbedarf, Wendekreis, Verhalten auf glatten Böden

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03  Abgrenzung

Humanoide oder Reinraumroboter: die ehrliche Einschätzung.

Für Reinräume gibt es seit langem Industrieroboter und Transportsysteme mit Reinraumeignung. Sie sind gekapselt, haben abgedichtete Gelenke und werden mit Partikelmessungen für bestimmte Klassen qualifiziert. In der Halbleiterfertigung bewegen Deckentransportsysteme die Waferbehälter zwischen den Anlagen. Diese Lösungen sind ausgereift.

Ein Humanoide hat viele bewegte Teile, Gelenkspalte und meist Lüfter zur Kühlung. Das macht ihn zu einer möglichen Partikelquelle. Laut Medienberichten testet Texas Instruments den Walker S2 von UBTech an eigenen Produktionslinien. Welche Bereiche das sind und ob dabei Reinraumklassen gelten, ist in den Quellen nicht genannt.

Realistisch sind Humanoide eher in Vorräumen, Graubereichen und in Reinräumen niedriger Klassen, wo Menschen mit Reinraumkleidung arbeiten und die Anlagen für menschliche Bedienung gebaut sind. Für die kritischen Zonen der Pharma- und Halbleiterfertigung sollten Sie ohne Nachweis der Partikelabgabe keinen Humanoiden einplanen.

Auch der Platz spielt eine Rolle. Reinraumfläche ist teuer, und jeder zusätzliche Quadratmeter für Laden, Parken und Reinigen des Roboters kostet Geld. Ein fest installierter Roboter an der Anlage braucht oft weniger Fläche als ein mobiler Humanoide mit Ladestation.

04  GMP

Pharma und GMP: was Anhang 1 für Roboter bedeutet.

Die Neufassung des EU-GMP-Leitfadens, Anhang 1 „Herstellung steriler Arzneimittel“, wurde im August 2022 von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Sie ist seit dem 25. August 2023 anzuwenden, Abschnitt 8.123 seit dem 25. August 2024. Der Anhang verlangt eine Strategie zur Kontaminationskontrolle und bevorzugt Technik, die menschliche Eingriffe in kritischen Zonen verringert.

Roboter können zu diesem Ziel beitragen, wenn sie selbst keine Kontaminationsquelle sind. Für jeden Roboter in einer GMP-Umgebung braucht es eine Qualifizierung und eine Bewertung in der Kontaminationskontrollstrategie. Bei einem neuen Gerätetyp wie einem Humanoiden ist dieser Aufwand hoch. Klären Sie früh mit Qualitätssicherung und sachkundiger Person, ob der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen steht.

05  Kennzahlen

Pilot-Kennzahlen für Roboter im Reinraum.

  • Partikelzahl: Messung nach ISO 14644-1 mit und ohne Roboter in Bewegung, am Arbeitsplatz und im Abluftstrom.
  • Eingriffe von Menschen: Wie viele Zutritte in den Reinraum hat der Roboter eingespart?
  • Reinigungsaufwand: Zeit und Mittel für die Reinigung des Roboters pro Schicht.
  • Fehlbedienungen: Fehler an Ladeschnittstellen oder Bedienpanels.
  • ESD-Ereignisse: Schäden an Bauteilen durch elektrostatische Entladung.

06  Sicherheit

Sicherheit und Vermittlung: worauf wir achten.

Im Reinraum arbeiten Menschen in enger Kleidung und mit eingeschränkter Sicht. Die Gefährdungsbeurteilung muss das berücksichtigen, ebenso enge Gänge und glatte Böden. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Ein weiterer Punkt ist die Reinraumkleidung der Beschäftigten. Sie schränkt Bewegung und Sicht ein, und Not-Halt-Taster am Roboter müssen auch mit Handschuhen sicher bedienbar sein. Prüfen Sie außerdem, ob die Schleusen groß genug für den Roboter sind und ob er beim Ein- und Ausschleusen die Druckstufen zwischen den Räumen stört. Solche Details entscheiden oft mehr über den Erfolg als die Technik des Roboters selbst.

Für Reinraumanfragen fragen wir über unseren direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai zuerst nach Partikelmessungen, Oberflächen und Kühlkonzept. Liegen keine Nachweise vor, sagen wir das offen und empfehlen eher einen Einsatz im Graubereich als im kritischen Reinraum.

07  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Können humanoide Roboter im Reinraum arbeiten?

Grundsätzlich ja, aber nur mit Nachweis einer niedrigen Partikelabgabe. Humanoide haben viele Gelenke, Kabel und oft Lüfter und sind damit mögliche Partikelquellen. In den von uns geprüften Herstellerangaben fanden wir keine Reinraumeignung. Realistisch sind Graubereiche und Reinräume niedriger Klassen, nicht die kritischen Zonen.

Was regelt ISO 14644-1?

ISO 14644-1 teilt Reinräume nach der Partikelkonzentration in der Luft in die ISO-Klassen 1 bis 9 ein. Je niedriger die Klasse, desto weniger Partikel sind erlaubt. Für Roboter bedeutet das: Ihre Partikelabgabe muss zur Klasse des Raums passen und wird durch Messungen nachgewiesen.

Was verlangt der EU-GMP-Anhang 1 von Robotern?

Der EU-GMP-Leitfaden, Anhang 1, gilt für die Herstellung steriler Arzneimittel und ist seit dem 25. August 2023 anzuwenden. Er verlangt eine Strategie zur Kontaminationskontrolle. Jeder Roboter in einer solchen Umgebung muss qualifiziert und in dieser Strategie bewertet werden. Bei neuen Gerätetypen ist das aufwendig.

Welche Roboter sind für Reinräume üblich?

Üblich sind Industrieroboter mit Reinraumausführung, gekapselte Transportsysteme und in der Halbleiterfertigung Deckentransportsysteme für Waferbehälter. Diese Geräte haben abgedichtete Gelenke und sind für bestimmte Reinraumklassen qualifiziert. Für Aufgaben an festen Anlagen sind sie heute die erprobte Wahl gegenüber Humanoiden. Die Messung gehört in die Qualifizierung des Roboters.

Warum sind Lüfter am Roboter im Reinraum ein Problem?

Lüfter erzeugen Luftverwirbelungen und können Partikel aus dem Inneren des Roboters in den Raum blasen. Das stört die gerichtete Luftführung des Reinraums. Fragen Sie den Hersteller nach Kühlkonzept, Lage der Lüfter und Filterung der Abluft. Gekapselte Antriebe ohne offene Lüfter sind im Vorteil.

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